Tagesberichte

USA Reise 2013
Tagesbericht vom Mittwoch, 01. Mai 2013

Wetter New Mexico: Sonnig und warm, 30 Grad
Reiseroute: Rio Rancho – San Felipe Pueblo.
Eindrücke vom Tage.
Ein toller Abschluss unserer Reise durch New Mexico. Im San Felipe Pueblo fand heute der „Corn Dance“ statt. Dieses hohe indianische Fest bringt befreundete Pueblos mit ihren Tänzern und Delegationen und Verwandte, Bekannte und Freunde zusammen. In allen Häusern rund um die Plaza herrscht an diesem Tag die Sitte der offenen Häuser. Dazu gehört auch, dass jegliche Besucher nicht nur willkommen geheissen, sondern auch frei bewirtet werden. Ein Obulus würde als unpassend empfunden.
Wir fanden uns rechtzeitig am Morgen ein und setzten uns auf eine Treppe vor dem „Sandoval“ Haus. Als wir die Hausherrin fragten, ob wir hier bleiben dürften, bat sie uns ins Haus zu Kaffee und Frühstück. Wir kamen dann rasch ins Plaudern und hätten wohl den ganzen Tag bei Speis und Trank verweilen können.
Bald aber dröhnten aus Richtung des Kivas Trommeltöne und dann marschierte der erste Stamm auf die rund 100 mal 100 Meter grosse Plaza ein. Hunderte von Tänzern, Dutzende Sänger und ein kräftiger Trommler begannen nun ihren eindrücklichen Tanz nach immer sich wiederholendem Singsang. Die Männer in ihren traditionellen Lendenschürzen mit reichen Verzierungen, Türkis behangen und jeder mit einem Fuchsfell am Gürtel. Dazu Rasseln und Schellen. Die Frauen in schwarzen Festgewändern mit reich verziertem und gesticktem Saum und Kragen und mit wunderschönen Gürteln. Alles garniert mit unglaublichem Festtagsschmuck. Die Tänzer gruppierten sich innerhalb der schier unendlichen Reihen nach Familien. Dabei auch Mädchen und Knaben, wobei die Jüngsten wohl gerade gut vier Jahre alt waren. Aber alle haben den Rhythmus der Trommel bereits intus.
Ein überwältigendes Spektakel, das dank der Verbundenheit der Tänzer und der - am Morgen fast ausschliesslich indianischen - Zuschauern mit ihrer Tradition immer authentisch und wahrhaftig bleibt. Gut verständlich deshalb und auch absolut angenehm, dass jegliches Fotografieren und Filmen (auch mit Handys) strikte verboten bleibt. Ein angenehmer Kontrast zur mühsamen und heute verbreiteten Seuche, alles und jedes immer mittels irgendeines digitalen Geräts festhalten zu wollen und dabei das reine Zuschauen und Geniessen mehr und mehr zu verlernen.
und da war da noch …
… die Tatsache, dass wir heute gepackt haben und morgen in aller Frühe zum Flugplatz fahren. Gerne noch bleiben oder gerne wieder mal nach Hause? Was soll das Nachdenken. Es ist nun mal so. Und überhaupt, wer nie etwas abschliesst, der wird auch nie etwas Neues beginnen …..

Tagesbericht vom Dienstag, 30. April 2013

Wetter New Mexico: Sonnig und 30 Grad warm.
Reiseroute: Rio Rancho – Zia Pueblo - Hot Springs – Jemez Dam (Soda Dam) – Jemez Pueblo – Rio Rancho; 120 Meilen.
Eindrücke vom Tage.
Am Morgen fuhren wir zum Zia Pueblo. Ein ideal auf einem Hügel gelegenes, heimelig wirkendes Pueblo. Leider sind auch hier keine Fotos erwünscht. Den weiteren Tag verbrachten wir dann im Tal des Rio Jemez. Ein im oberen Teil enges, zwischen hohen Klippen verlaufendes Tal. Dank dem Jemez Fluss, der ganzjährig Wasser führt, zieht sich ein hellgrüner Baumgürtel dem Ufer entlang und im breiter werdenden unteren Tal kann Landwirtschaft betrieben werden. Im Jemez Tal finden sich warme Quellen, woher auch der Name des Ortes Hot Springs stammt. Beim sogenannten Jemez oder Soda Damm fliesst der Fluss durch eine skurril geformte Öffnung. Der Damm selber ist ein natürlicher und entstand über Jahrmillionen durch Kalzium-Carbonat Ablagerungen. In seiner Nähe finden sich auch kleine, warme und leicht Schwefel haltige Quellen. Ein kleines aber höchst eigenes Stückchen Natur.
Für den Nachmittag hatten wir uns mit Vater und Tochter der Jemez Töpferfamilie Cajero verabredet. Wir sassen lange zusammen, tauschten gegenseitig Informationen über ihr und unser Lebensumfeld aus und lernten viel über Geschichte und Gegenwart der Jemez Indianer. In seiner Werkstatt zeigte uns Vater Aaron Cajero alle Arbeitsschritte seiner Töpferei, seine Grundmaterialen und Farben und einige seiner Betriebsgeheimnisse, welche seine und die Arbeiten seiner Tochter so speziell machen. Mit zwei wunderschönen Stücken und „leicht“ reduziertem Taschengeld verliessen wir schliesslich das gastliche Heim.
Zia Pueblo, New Mexico
Lage:                             ca 50 km nordwestlich Albuquerque
Indianischer Name:       Tsia
Bewohner:                     ca 650
Kunsthandwerk:            Töpferei (The Medina family)       
Das Wappen des Zia Pueblos, das Sonnensymbol, ist (fast) identisch mit jenem in der Flagge des Bundesstaates New Mexico und gilt als Zeichen des Friedens zwischen unterschiedlichen Kulturen. In ihren ohne Politur gefertigten Töpferarbeiten halten sich die Zia streng an überlieferte Muster, wobei auffällig oft ein Vogelmotiv zu finden ist.
Die Zia waren nahe am Aussterben (unter dem Druck der Spanier) und mussten ihr ursprüngliches Stammesgebiet deshalb verlassen. Die Jemez gewährten ihnen bis zum heutigen Tag Gastrecht und traten ihnen ein Stück Land ab.
Jemez Pueblo, New Mexico
Lage:                             90 km nördlich von Albuquerque
Indianischer Name:       Walatowa
Bewohner:                     ca 1‘700
Kunsthandwerk:            Töpferei und Keramikfiguren            
Das Jemez Pueblo verzichtet auf eine Öffnung für Besucher. Allzu grosser Publikumsaufmarsch an traditionellen Festen führte auch dazu, dass diese Daten nicht mehr publiziert werden. Geschichte und Kultur der Jemez sind daher im Besucherzentrum mit Museum und aktueller Ausstellung ausserhalb des Pueblo erlebbar.
Das zeitgenössische Töpferhandwerk der Jemez ist meist in Braun- und Ockertönen gehalten. Die Oberflächen sind oft strukturiert und die Verzierungen wirken trotz traditionellen Mustern modern. Besonders beliebt und bekannt sind weiter die sogenannten „Storyteller“ (Erzähler), Tonfiguren auf dem Hintergrund von indianischen Geschichten und Legenden.
und da war da noch …
… der bedenkenswerte Spruch in einem (sehr guten) Café in Jemez Springs.
„Regel Nr. 1: Vor allem anderen kommt immer ein Kaffee an erster Stelle!“. Lustiges Detail dazu war, dass wir den Chef, als er unseren Lunch servierte, darauf aufmerksam machen mussten, dass er unseren bestellten Kaffee vergessen habe. Uuups …

Tagesbericht vom Montag, 29. April 2013

Wetter New Mexico: Sonnig, warm, um 30 Grad.
Reiseroute: Rio Rancho – Kasha Katuwe National Monument – Cochiti Dam – Cochiti Pueblo – Santo Domingo Pueblo – Rio Rancho; ca. 80 Meilen.
Eindrücke vom Tage.
Höhepunkt war die Vormittagswanderung zum und durch das „Tent Rock“ Monument. Diese zeltförmigen oder kegelförmigen hellen Felsen ragen in einem kleinen Tal in Kirchturmhöhe teils freistehend, teils an die Klippen angelehnt in den Himmel. Dieses kleine Naturschutzgebiet verdankt seine eigenartigen Felsformationen einem frühgeschichtlichen Vulkanausbruch und der „Arbeit“ von Wetter und Wasser über eine sehr lange Zeit. Die Wanderung hinauf auf die Krete auf 1‘900 m.ü.M. führt zunächst durch einen kurzen aber sehr schönen Slot Canyon. Etwas Kraxeln über Felsbrocken und Baumwurzel führt zum letzten kurzen aber steilen Aufstieg, der dem Wanderer 300 Höhenmeter abfordert. Dafür wird man mit einem grandiosen Ausblick weit in das nördliche New Mexico belohnt. Auch die „Tent Rocks“ lassen sich von hier oben bestaunen.
Am Chociti Damm verbrachten wir unsere späte Mittagspause. Dieser rein aus Erdaufschüttung von 1965 bis 1973 erstellte Damm regelt die Wasserverteilung für die Landwirtschaft nördlich von Albuquerque. Für die Stadt ist er gleichzeitig eine Absicherung gegen Überschwemmungen durch den Rio Grande.  Der Damm hat eindrückliche Dimensionen. An der Basis ist er knapp 540 m breit, während die Dammkrone sich über 8,8 km erstreckt. Wie die meisten Stauseen in den USA wird auch der Cochiti See als Ausflugs- und Erholungsgebiet genutzt.
Gegen Ende des Tages statteten wir dem Cochiti Pueblo und dem Santo Domingo Pueblo je einen kurzen Besuch ab. Cochiti ist eine eher verstreute Ortschaft mit einer Kirche in Kiva Form. Santo Domingo dagegen ist ein sehr grosses Dorf (wohl das grösste Pueblo) mit einer eigentlichen „Altstadt-Hauptstrasse“. Auch in diesen beiden Pueblos sind Besuche zwar nicht verboten, aber leider jegliches Fotografieren, Filmen oder Zeichnen.
Santo Domingo Pueblo (Kewa Pueblo), New Mexico.
Lage:                           ca. 55 km nördlich von Albuquerque
Bewohner:                    ca 3‘500
Kunsthandwerk:            Schmuck (u.a. Mary Tafoya) und Töpferei (The Melchor family, the Tenorio family)
Santo Domingo Pueblo ist bekannt für Geschäftstüchtigkeit beim Verkauf von Schmuck und anderem Handwerk. Mit ihrem Schmuck bereisen sie weite Teile der USA, um den Verkauf zu fördern. Im Übrigen setzt auch dieses Pueblo alles daran, traditionelle Zeremonien und Bräuche lebendig zu erhalten. Santo Domingo Pueblo ist sehr traditionell, d.h. die alten Bräuche werden sorgfältig weiter gepflegt. Dazu gehören der Korn-Tanz und humorvolle, burleske Aufführungen (Sandaro). Die Töpfereien sind geprägt von relativ grossflächigen Mustern und von Pflanzen- und Tierdarstellungen.
Cochiti Pueblo, New Mexico.
Lage:                           ca 50 km westlich von Santa Fé
Indianischer Name:        Ko-Tyit
Bewohner:                    ca 1‘400
Kunsthandwerk:            The Herrera Family (Töpferei), Trommeln  
Die Bewohner des Cochiti Pueblos gelten als gastfreundlich. Bekannt und beliebt sind ihre traditionellen Feste. Neben dem Töpferhandwerk und der Herstellung von Schmuck hat sich bei den Cochiti auch die Malerei fest etabliert. Unter Indianern gelten die von den Cochiti aus alten Baumstümpfen gefertigten Trommeln als erste Wahl.
und da war da noch …
… die Lektion, die wir alle vom Wetter lernen könn(t)en. Das Wetter schert sich einen Dreck – und manchmal mag man sogar sagen einen feuchten - um alle ihm angelastete unfaire Kritik …

Tagesbericht vom Sonntag, 28. April 2013

Wetter New Mexico: Sonnig und bis 28 Grad warm; die nächsten Tage versprechen sehr sommerlich zu werden.
Reiseroute: Albuquerque.
Eindrücke vom Tage.
Die meiste Zeit verbrachten wir heute im „Pueblo Indian Center“ in Albuquerque. Das war so nicht geplant, aber im Hof des Museums fanden heute den ganzen Tag traditionelle Tänze und eine grosse Ausstellung von Handarbeiten wie Schmuck und Töpfereien statt. So blieben wir auch gleich zum Mittagessen und genehmigten uns ein „Pueblo Feast Menue“. Das ist ein Querschnitt durch indianische Gerichte im Ausmasse einer Schlachtplatte.
Dabei kamen wir heute mit einigen Leuten ins Gespräch. Als Resultat davon sind wir diese Woche noch zu einem traditionellen Fest im San Felipe Pueblo eingeladen und werden im Jemez Pueblo ein Künstler Ehepaar besuchen können. Was die beiden an Töpferarbeiten ausgestellt hatten, ist wirklich kunstvoll. Wir sind gespannt, was wir bei ihnen zuhause noch zu sehen bekommen werden.
Im Verlaufe des Nachmittags ging’s dann noch zu einem kurzen Bummel durch die historische Plaza von Albuquerque. Da herrschte zwar eher ein Rummel, aber die durchmischte Menschenmenge genoss sichtlich den warmen sonnigen Tag.
und da war da noch …
… die Dame, welche von einem Pizza Restaurant wegfuhr und vergass, ihre Pizza vom Auto zu nehmen. Kann ja passieren. Aber, die Pizzaschachtel lag auf der Motorhaube! Und das fiel ihr und der Mitfahrerin nicht auf! So fiel die Pizza dann logischerweise bei der ersten Kurve auf die Strasse. Das nachfolgende Fahrzeug sorgte prompt dafür, dass Schachtel und Pizza zu einer „Pizza extra flach“ verarbeitet wurden. Die Frage bleibt, ob die Dame ein Wunderkind ist, welches blind autofahren kann, oder ob sie die erstandene Pizza eigentlich gar nicht mochte und sie absichtlich „mobil entsorgen“ wollte. Wie auch immer, wir griffen uns zwar an den Kopf, aber wir hatten unseren Spass …..

Tagesbericht vom Samstag, 27. April 2013

Wetter New Mexico: Sonnig, Temperaturen bis 15 Grad, an der Sonne jedoch sofort angenehm warm.
Reiseroute: Santa Fé – Turqouise TRail – Cerillos – Madrid – Sandia Peak – Rio Rancho; 150 Meilen.
Eindrücke vom Tage.
Auf dem Turqouise Trail (siehe unten) erreichten wir zunächst den Ort Cerillos. Der historische Teil des Städtchen macht nicht mehr den frischesten Eindruck, aber immerhin waren die Informationen an den historischen Häusern aufschlussreich. Kaum zu glauben, dass Cerillos einmal das Zentrum der Türkis Minen in New Mexico war und zu jener Zeit unter anderem über mehr als zwanzig Bars verfügte. Der Türkis Abbau muss ein sehr „durstiges“ Geschäft gewesen sein. Nach dem Türkis und Goldadern erschöpft waren, zerfiel das alte Cerillos. Etwas besser erging es dem Örtchen Madrid. Zwar sind auch hier Türkis- und Goldzeiten längst Vergangenheit. Aber die alten Häuser entlang der Hauptstrasse sind gut erhalten und gepflegt. Ihr Verwendungszweck hat sich aber markant geändert. Der Ort macht heute teilweise freundlichen aber etwas kitschig-touristischen Eindruck. Aber unter eher zweifelhaften Angeboten von sogenannten Boutiquen und Shops finden sich trotzdem sehenswerte und fotogene Plätzchen.
Dann ging‘s - wieder einmal - hoch hinaus. Wir fuhren auf den 3‘200 Meter hohen Sandia Crest hinauf. Das Sandia Gebirge ist quasi der Hausberg von Albuquerque, das ziemlich genau halb so hoch liegt. Damit ist auch gesagt, dass man von Sandia Crest eine (fast) Rundumsicht über halb New Mexico hat. Die totale Fernsicht ist allerdings meist durch Dunst eingeschränkt.
Einen Tagsesabschluss der besonderen Art machten wir im Pinktertown Museum (siehe unten) am Fusse der Sandia Mountains.
Turquoise Trail, New Mexico.
Der "Türkis Weg" führt von Tijeras (östlich von Albuquerque) entlang einer landschaftlich sehr schönen Strasse nach Santa Fé. Ihren Namen hat diese Strecke von einer Reihe von Türkis Minen, in welchen dieser Schmuckstein gefördert wurde. Die Minenstädtchen sind heute historische Attraktionen.
Der Türkisstein war und ist für die Indianer sowohl ein Symbol für gute Kräfte und auch ein beliebtes Material zur Schmuckherstellung für den Eigengebrauch und für den Verkauf. Natürlich fanden auch die spanischen Entdecker, Bergbau Unternehmer und Siedler und Pioniere Interesse an diesem Mineral. Das Gebiet entlang dem Turquoise Trail war das bedeutendste Fundgebiet in New Mexico. Die Steine finden sich aber auch in diversen Ausgestaltungen und Qualitäten im ganzen Südwesten der USA. Der Abbau von Türkis in den USA wird aus wirtschaftlichen Gründen zunehmende schwieriger. Kleine Minen rentieren fast nicht mehr und die grossen Bergbaufirmen sind an Kupfer und seltenen Erden interessiert. Hier fällt Türkis nur noch als nicht immer geschätztes Nebenprodukt an. Damit wird heute leider zunehmend Türkis aus China verwendet und oft nicht mal mehr in USA verarbeitet. Beim Kauf von Türkis Schmuck wendet man sich am besten an Geschäfte mit Fachleuten. Die gesuchtesten, wertvollsten und auch teuersten Türkis-Schmuckstücke stammen aus den Jahren 1920 und früher.
Tinkertown Museum, New Mexico.
Ross Ward machte es sich während 40 Jahren seines Lebens zur Aufgabe durch eigene Arbeit, Basteln und Sammeln ein sehr spezielles Museum aufzubauen. Das Ganze wirkt auf den ersten Blick mit seinen aus Flaschen und Mörtel erstellten Mauern eher lustig und kitschig. Wenn man aber genauer hinschaut, so steigt der Respekt vor der detailreichen und fülligen Sammlung. Mit der Zeit stellt man dann fest, dass in den diversen liebevoll gestalteten Dioramen unglaubliche Schätze versteckt sind – Kunsthandwerk, Töpfereien, Webereien – die heute kaum mehr zu finden und schon gar nicht mehr zu bezahlen sind.
und da war da noch …
… das Departement für „Homeland Security“ (Nationales Sicherheitsdepartement der USA), welche im Zuge der kürzlich erfolgten Anschläge arg in Kritik geriet. Mit „Homeland Security“ ist auch ein T-Shirt in einem Aushang eines Cafés bedruckt. Darunter abgebildet sind vier der bekanntesten einstigen Indianerhäuptlinge. Dazu der Text „We fight terrorism – since 1492“. Übersetzt: „Wir bekämpfen den Terrorismus seit 1492“. Man erinnert sich aus der Geschichtsstunde, dass 1492 Columbus nach Amerika kam. Nach dieser Lesart sind wir also keine Touristen, sondern Terroristen. Naja, so schlimm wird’s nicht sein. Jedenfalls wurden wir mit einem hervorragenden Kaffee bedient.

Tagesbericht vom Freitag, 26. April 2013

Wetter New Mexico: Meist sonnig, um 10 – 15 Grad (über 2‘000m).
Reiseroute: Santa Fé – Rock City –Bandelier National Monument – Los Alamos – Valles Caldera – Santa Fé; ca. 150 Meilen.
Eindrücke vom Tage.
Ein Morgenwanderung im Bandelier National Monument führte uns zu erstaunlichen Felswohnungen der frühen Indianer. Das ruhige (zumindest wenn man früh dran ist) und landschaftlich liebliche Tal war bis ins 16. Jahrhundert bewohnt, während ähnliche Behausungen anderer Orts von den Ureinwohnern um Jahrhunderte früher verlassen wurden. Die Abgelegenheit der Frijoles Schlucht mag dazu beigetragen haben.
Der anschliessende Besuch des Städtchens Los Alamos weckte keine Begeisterung. Der Ort hat kein Gesicht. Geschäftshäuser, viele Laborgebäude und zerstreute Wohnsiedlungen ergeben ein undefinierbares Durcheinander. Los Alamos ist ein wichtiger Ort der Forschung und Entwicklung, aber kein Platz zum Bummeln und so beschlossen wir, rasch weiter westwärts das Land etwas zu erkunden.
Das erwies sich als Glücksfall, stiessen wir doch auf das Schutzgebiet Valles Caldera, wo wir in den Genuss einer Privatführung im Valle Grande kamen. Das rund 20 x 20 km grosse Gebiet Valle Caldera ist eine Gras bewachsene Ebene, durchbrochen und in Täler aufgeteilt von Lavahügeln. Das Ganze entstand vor x-Millionen Jahren als Folge von zwei Vulkanausbrüchen. Der Anblick der von Sonne überstrahlten Hochebene liess uns staunen.
Bandelier National Monument, New Mexico.
Das Gebiet ist sowohl Gedenkstätte wie Naturschutzgebiet mit einer Fläche von ca. 136 km². Mehr als zwei Drittel davon (95 km²) stehen als „Wilderness“ (analog unserem Nationalpark) unter besonderem Schutz. Die Hauptattraktion des National Monuments ist die Frijoles-Schlucht. Sie war zwischen 1100 und etwa 1550 von Vorläufern der Pueblo Kultur besiedelt; über tausend Siedlungsorte sind nachgewiesen.
Das Areal ist seit 1916 ein National Monument und wurde nach dem Anthropologen Adolph Bendelier benannt. Während des Zweiten Weltkriegs war es mehrere Jahre für die Öffentlichkeit gesperrt, damals lebten einige Wissenschaftler des Manhattan-Projekts aus dem nahegelegenen Los Alamos National Laboratory hier.
Los Alamos, New Mexico.
(Nicht zu verwechseln mit Alamo in Texas, wo 1836 eine Schlacht um die Unabhängikeit stattfand)
Die kleine Stadt im Norden von New Mexico (ca. 13‘000 Einwohner) auf 2‘200 m.ü.M. gelegen ist vor allem bekannt durch das „Los Alamos National Laboratory“, welches das „Manhattan Projekt“ durchführte. Unter diesem Decknamen wurde ab 1942 die Atombombe entwickelt. Ein erster Test („Trinity“) wurde dann bekanntlich1945 auf dem Armeegelände von White Sands im Süden von New Mexico durchgeführt. Das Laboratorium dient auch heute noch der Verbesserung von Atomwaffen. Vor allem wird hier aber Grundlagenforschung in Physik, Chemie, Biologie und Mathematik betrieben. Über 6‘000 Mitarbeiter sind im Labor beschäftigt. Ein Teil des Geländes ist nach wie vor militärisches Sperrgebiet.
Valles-Caldera, New Mexico.
Die Valles-Caldera bildete sich während zweier großer Eruptionen vor ca. 1,7 und 1,2 Mio. Jahren, die eine Auswurfmenge von ca. 600 km³ hatten, weshalb sie zu den Supervulkanen gezählt wird. Die Ablagerungen aus diesen beiden Eruptionen werden als Bandelier-Tuffgestein bezeichnet. Die steil abfallenden Kraterwände der Caldera haben eine Höhe von bis zu 300 Metern, die Ebene liegt auf einer Höhe über 2‘500 m.ü.M.
Die jüngsten Eruptionen innerhalb der Caldera fanden vor ca. 60.000-50.000 Jahren statt. Heute dient das Gebiet als Sommerweide für Vieh und bietet in kontrollierter Form Jagd auf Elche und Truthühner, sowie nordischen Wintersport an. Die Nutzung des Geländes wird wissenschaftlich verfolgt, der Tierbestand beobachtet. Ab und zu finden hier auch Filmaufnahmen statt.
und da war da noch …
… die Anschrift in jeder Toilette der Restaurants in den USA, wonach die Angestellten zwingend nur mit gewaschenen Händen an die Arbeit zurückehren dürfen. Man fragt sich natürlich, was das eigentlich soll und was genau die Botschaft ist und an wen. Das Einhalten einer strikten Hygiene ist für Angestellte sicher Bedingung und hoffentlich auch eine Selbstverständlichkeit. Also wen spricht man denn an? Die Gäste der Restaurants, um ihnen zu versichern und sie zu beruhigen, dass es in Küche und Service „sauber“ zugeht? Oder sagt man damit aus, dass Händewaschen wohl für die Angestellten, nicht aber für die Gäste obligatorisch ist, da man Letzteren keine Vorschriften machen will. Wie auch immer, das Ganze wirkt echt dämlich und man würde besser darauf verzichten, diese Vorschrift auf jedem „Örtchen“ zu publizieren. Ich jedenfalls finde diesen Zustand – pardon, aber bei dem speziellen Thema darf man es wohl so formulieren – einen „Seich“ oder einen „Scheiss“ …

Tagesbericht vom Donnerstag, 25. April 2013

Wetter New Mexico: Bedeckt, 15-18 Grad.
Reiseroute: Santa Fé – Poeh Museum - Pojaque Pueblo – Nambé Falls – Tesuque Pueblo  – Santa Fé, 60 Meilen.
Eindrücke vom Tage.
Wir haben heute die letzten drei Pueblos im Raume Santa Fé/Taos besucht. Sowohl Pojaque, Tesuque als auch Nambé schützen die Ruhe ihrer Dorfzentren durch ein Foto- und Videoverbot. Besonders im Falle des Pueblo der Pojaque haben wir das sehr bedauert. Dieser Dorfkern ist völlig neu und modern aufgebaut, mit einer formschönen Kirche und einem phantastischen Monument aus den diversen Gesteinen und Bauweisen der Region. Und trotzdem verbreitet der Ort eine schlichte Schönheit mit traditionellem Touch. Bisher das beste Beispiel, wie man ein modernes Pueblo bauen kann und trotzdem den Geist und die Atmosphäre der traditionellen Lebensweise beibehält.
Zum Abschluss starteten wir das Unternehmen „Kasino“ im „Buffalo Thunder Casino“ der Pojaque. Ein grossartiger Bau mit Konferenzräumen, Klubs und Restaurants. Im Kasino selber an den Spielautomaten schauten dann unter dem Strich 40 US Dollars heraus, was für ein gutes Nachtessen in einem Steakhaus reichte.
Pojaque Pueblo, New Mexico
Lage:                             25 km nördlich von Santa Fé
Indianischer Name:         Po-Suwae-Geh, „Platz des Trinkwassers“
Bewohner:                     ca 2‘700
Kunsthandwerk:             Töpferei, Malerei        
Nach einer wechselvollen Geschichte wurde Pojaque Pueblo 1936 von der Bundesregierung als Pueblo anerkannt. Nachfahren aus ursprünglichen Pojaque Familien kehrten ins zeitweise verlassene Pueblo zurück. Die Pojaque verstanden es immer, aus jeder Situation das Beste zu machen und sich wo nötig vorteilhaft anzupassen Mit der Ansiedlung von Hotels, einem Kasino und Gewerbe soll das Pueblo wirtschaftlich überlebensfähig gemacht und gehalten werden. Das Kunsthandwerk der Pojaque zeigt keinen einheitlichen Stil.
Auf dem Gebiet der Pojauqe Reservation liegt das POEH (poeh = der Weg) Zentrum.
Poeh Center, New Mexico.
Das Zentrum wurde 1988 auf Initiative des Rats der Pojaque in Zusammenarbeit mit allen Stämmen der sogenannten Northern Pueblos gegründet. Das Museum enthält absolute Meisterstücke aus diesen Pueblos aus Töpferei, Skulpturen, Malerei und Teppichen. Ehrlich, da können mir alle unsere hochgepuschten Ausstellungen mit ihren Installationen, Videodarstellungen und unverständlichen Bildern gestohlen bleiben. Das Zentrum ist aber mehr als ein Museum. Es ist ein Lern- und Begegnungszentrum für indianische Kultur, Geschichte und Sprache, für Verwaltungs- und Wirtschaftsentwicklung - und das mit grossem Erfolg.
Nambé Pueblo, New Mexico
Lage:                             30 km nördlich Santa Fé
Indianischer Name:       Nanbe, „Menschen der runden Erde (Hügel)“ oder auch „Der kleine Ort mit den Cottonwood Bäumen“.
Bewohner:                     ca 1‘700
Kunsthandwerk:            Weben, Töpferei          
Die Nambé leben weitgehend von der Landwirtschaft und von Arbeitsstellen im nahe gelegenen Los Alamos. In der tollen Landschaft mit den Nambé Fällen befindet sich ein Ausflugs- und Feriengebiet mit Möglichkeiten zum Fischen, für Flussfahrten, Camping und Wandern.
und da war da noch …
… das Feuer im Tesuque Pueblo, welches 2002 die romanisch katholische Kirche völlig zerstörte. Zwei junge Pueblo Bewohner wurden der Brandstiftung angeklagt. Sie legten den Brand mit Hilfe von Zündhölzern, Kerzen und Gewändern, die sie gleich in der Kirche fanden. Als Motiv gaben sie an, für sie sei die katholische Kirche eine Sklavenorganisation. Sicher nicht ganz abwegig, wenn man die Geschichte der spanischen Eroberungen und der gewaltsamen Christianisierung kennt in deren Zuge viele indianischen Kultstätten zerstört wurden. Aber es gibt wohl mutigere und eindrücklichere Wege, seine kritische Meinung dazu zu äussern.

Tagesbericht vom Mittwoch, 24. April 2013

Wetter New Mexico: Am Morgen Reif, tagsüber bis gegen 20 Grad, sonnig.
Reiseroute: Santa Fé – Pueblo San Idefonso – Puyé Cliff Dwllings – Santa Clara Pueblo – Okay Owingeh Pueblo – Rio Grande River Gorge – La Chiripa Winery – Santa Fé; ca 120 Meilen.
Eindrücke vom Tage.
Heute standen einige Pueblos auf dem Programm. Wir erlebten dabei, wie unterschiedlich die Pueblos sich präsentieren und auf welche traditionellen Werte, aber auch auf welche wirtschaftlichen Grundlagen sie basieren. Alle der New Mexico Pueblos verfügen über eine eigene Verwaltung, eigene Polizei und meist auch über eigene Schulen – zumindest Kindergarten und Primarschulen – und fast alle über Kasinos. Darüber hinaus unterscheiden sie sich aber signifikant. Interessant ist auch, dass sich die Pueblos wieder auf ihre ursprünglichen Namen besinnen. Diese wurden meist durch die spanischen Eroberer ersetzt und so entstanden Pueblo Namen, die weitgehend katholischen Heiligen gewidmet waren. Das wurde auch dadurch erleichtert, dass die Indianer keine Schrift kannten. Heute aber sind die mündlich überlieferten Namen längst in unsere Schrift übersetzt. San Juan Pueblo trug dieser Entwicklung und der Verbundenheit mit der Tradition Rechnung und änderte den Namen vor einigen Jahren zurück in Ohkay Owingeh. Die alte Bedeutung ist umstritten. Uns wurde der Name mit „Die starken Menschen“ übersetzt.
Zum Abschluss des Tages begaben wir uns nochmals in die Schlucht des Rio Grande und machten von da einen kleine Abstecher in ein Seitental. Das Chiripa Weingut war unser Ziel. Wir wollten wissen, wie man auf über 1’800 m.ü.M Wein anbaut und keltert. Die Müsterchen die wir genossen, überzeugten uns. Damit dieses Unternehmen gelang, brauchte es allerdings zwei ziemlich verrückte und fachfremde Kalifornier und eine gehörige Portion Glück (span. Chiripa = glücklicher Zufall).
San Ildefonso Pueblo, New Mexico
Lage:                             ca 40 km nördlich von Albuquerque
Indianischer Name:       Po-woh-ge-oweenge
Bewohner:                     ca 1‘500
Kunsthandwerk:            „Schwarze“ Töpferei; The Gonzales family (pottery), the Martinez family (pottery)                
Die typischen Töpferwaren aus San Ildefonso sind schwarz gebrannt – teilweise auch in Braun Tönen - und weisen klare, einfache Motive auf. Diese Art des Kunsthandwerks (ähnlich sind auch die Arbeiten aus dem Santa Clara Pueblo) rettete die San Ildefonso Bevölkerung in den 1930-er Jahren aus der Armut. Das Sammeln von indianischen Kunstgegenständen wurde wieder populär und die besonderen Arbeiten von San Ildefonso fanden rasch Liebhaber.
Das Pueblo ist grosszügig und freundlich gestaltet. Die Häuser sind durchwegs neu, aber im Adobe Stil gebaut. Ein grosser Dorfplatz und ein Kiva werden in hohen Ehren gehalten und dienen zweimal im Jahr dem „Corn Dance“, einer Mischung aus Fruchtbarkeits- und Erntedankfest.
Puyé Cliff Dwellings, New Mexico.
Diese Felswohnungen unterscheiden sich von anderen bekannten wie Gila Cliffs oder Mesa Verde durch die Gesteinsformationen und die dadurch bedingte Bauweise. Die Puyé Häuser sind in vulkanisches Tuffgestein gebaut, welches durch einen Vulkanausbruch in prähistorischer Zeit entstand. Die mit der Zeit in diesem weichen Fels entstandenen Risse und kleinen Höhlen wurden durch das Volk der Puyé für ihre Bedürfnisse erweitert und mit Vorbauten versehen. Den für die Bauarbeiten nötigen harten Basalt mussten sie etwa 40 km entfernt aus dem Rio Grande herholen. Puyé heisst übersetzt „Der Ort, wo sich die Hasen treffen“.
Santa Clara Pueblo, New Mexico.
Lage:                            ca 45 km nördlich Albuquerque
Indianischer Name:      Kha’poo Owinge (Valley oft he wild roses)
Bewohner:                    ca 10‘500
Kunsthandwerk:           The Chavarria family (pottery), the Guitierrez family (pottery), the Tafoya family (pottery)
Die weite Fläche des zum Pueblo gehörenden Gebiets birgt ausgedehnte Erholungs- und Ausflugsorte, was nebst dem Kasino einen Grossteil der Einkünfte erbringt. Daneben sind die „schwarzen“ Töpfereien von Santa Clara äusserst begehrt. Vergleichbar sind sie mit jenen vom nahe gelegenen San Ildefonso. Leben und Ausbildung im Pueblo verbinden in bester Weise Traditionen und die Anforderungen der modernen Gesellschaft.
Das Pueblo selber gleicht eher einem Strassendorf und bildet baulich keine Einheit. Die Santa Clara führen ihre Herkunft auf die Puyé zurück, welche bis etwa ins Jahr 1200 n.Chr. in den nahe gelegenen Bergen lebten. (siehe Puyé Cliffs).
Ohkay Owingeh Pueblo, New Mexico (ehemals San Juan Pueblo genannt)
Lage:                             30 km nördlich von Santa Fé
Indianischer Name:       Ohkay Owingeh (die starken Menschen)
Kunsthandwerk:            Schmuck, Töpferei            
Die Ohkay Owingeh sind vor allem bekannt für ihre traditionellen Tanz Feste. Ihr Einkommen bestreiten die Ohkay unter anderem aus ihrem Kasino, der Hotellerie, dem Camping und einem weitläufigen Sportschiessgelände.
Im Pueblo sind vor allem die beiden Kirchen speziell. Nach den spanischen Eroberern und deren Priester nahm ein französischer Priester das kirchliche Leben an die Hand. Das Resultat ist eine im gotischen Stil gebaute Kirche (Johannes der Täufer) und eine aus Vulkan-Tuffstein erstellte Replica einer Pariser Kirche. Der „christliche“ und der traditionelle Teil des Pueblo sind heute noch räumlich getrennt, aber gefeiert wird gemeinsam.
und da war da noch …
… der gross und deutlich erkennbare Spruch in einem Restaurant (jaja, wir waren dort zum Mittagessen) folgenden Inhalts:“Vergesst Viagra, esst Austern – die sind zudem rezeptfrei!“. Na schön, bloss was ist in der Schweiz wohl die billigere Variante und wie trägt ein Mann die nötige Anzahl frischer Austern dauernd in der Hosentasche mit sich herum … ? ... und ob die dann noch frisch sind, wenn man sie braucht ... ?

Tagesbericht vom Dienstag, 23. April 2013

Wetter Santa Fé: Kühl, 10 – 15 Grad, tagsüber sonnig, am Abend leichter Regen
Reiseroute: Santa Fé.
Eindrücke vom Tage.
Heute blieben wir in der Stadt. Der Vormittag war ein Pflichtprogramm, der Nachmittag die Kür. Zur Pflicht gehörten Wäsche waschen, Auto waschen und Alltagseinkäufe.
Das Kürprogramm starteten wir auf dem Bahnhofsgelände, welches in den letzten Jahren ausgebaut und verschönert wurde. Die ehemalige Hütte eines Glasbläsers, den wir in den 1990er Jahren besuchten, ist heute ein Häuschen für wartende Reisende; der Künstler selber nicht mehr auffindbar.
Der Bummel durch die Altstadt wurde dann äusserst interessant und fast ebenso teuer. Wir begaben uns auf die Suche nach ein paar weiteren Indianischen Kostbarkeiten. Dabei kamen wir mit diversen Fachleuten ins Gespräch, lernten wieder viel über die Herkunft der Materialien und der Künstler, sowie über die Herstellung einzelner Kunstwerke. Da diese prächtigen Stücke ja nicht dazu geschaffen sind, in den Vitrinen zu verstauben, sondern den Menschen Freude bereiten sollen, „opferten“ wir da und dort etwas aus unserem „Sonderkässeli“. Wir freuen uns bereits, den Anblick der erstandenen Gegenstände zuhause geniessen zu können.
und da war da noch …
…… die chinesische Weisheit, wonach man auf der Strasse des Erfolgs keine Abkürzungen suchen soll. Soweit so gut, aber wo genau geht denn die Strasse des Erfolgs entlang? Ich meine, auch die weist manchmal Verzweigungen und Kreuzungen auf …

Nachtrag zum Tagesbericht vom Montag, 22. April 2013

Taos NM.
Gut 100 km nördlich von Santa Fé liegt auf über 2'100 müM die rund 6'000 Einwohner starke Kleinstadt Taos. Die Ortschaft auf dem Hochplateau zwischen den Sangre de Cristo Bergen und dem Rio Grande gilt als die am längsten ständig besiedelte in den USA. Bekannt ist das Städtchen einerseits durch das nahe gelegenen gleichnamige Indianer Pueblo und andererseits die Zuwanderung von Künstlern ab Beginn des 20. Jahrhunderts. Nachdem einige Szenen des Kultfilms "Easy Rider" hier gedreht wurden, zogen Hippies hierher und einige blieben bis heute. Viele Galerien und schmucke Cafés prägen den Ort. Gleich wie in Santa Fé findet man in Taos typische Zeugen der alten Adobe-Bauweise (Lehmziegel mit einfachem Verputz), so etwa die Kirche San Francisco de Asis.
In Taos tauchte 1989 erstmals das Phänomen des Brummtons auf. Diverse Menschen schilderten, wie sie diese Wahrnehmung erlebten. Den genauen Ursprung und eine eindeutige wissenschaftliche Erklärung dafür konnte bis heute nicht gefunden werden.
Picuris Pueblo, New Mexico.
Lage:                             80 km nordöstlich von Santa Fé
Indianischer Name:       Picuris (span: „Die, welche malen“)
Bewohner:                     ca. 80
Kunsthandwerk:            Töpferei (Mica Gefässe; diese sind Hitze- und Feuer beständig und daher im Alltag brauchbar)            
Stark dezimiert durch eine leidensvolle Geschichte zählt der Stamm der Pueblo nur noch rund 300 Einwohner, wovon die meisten im neuen Teil und in umliegenden Dörfern leben. Das neue Dorf hat viel vom westlichen Lebensstil übernommen. Mittels Tanzfesten werden die alten Traditionen so gut als möglich weiter aufrecht erhalten. Zudem erhalten die Picuris das ursprüngliche Pueblo mit einer Mischung aus Ausgrabungen, alten Gebäuden und Kivas, sowie einigen neu im Pueblo Stil erstellten und bewohnten Bauten. Die Vermischung der Kulturen zeigt sich gut in der schlichten Kirche, wo nebeneinander Elemente und Darstellungen indianischen Ursprungs und katholischer Heiligenverehrung zu finden sind.
Die Picuris Töpferwaren sind weitgehend frei von Ornamenten; einzig beim Brennen entstehende Farbnuancen schmücken die Werke. Der verwendete Mica Lehm enthält viele Glitzerstoffe und die Gefässe gelten als sehr gute Wärmespeicher.
Taos Pueblo, New Mexico.
Lage:                             ca 40 km nördlich von Santa Fé
Indianischer Name:       Tuah-tah
Stammesmitglieder:      ca. 4‘500
Kunsthandwerk:            Felltrommeln und Mokassins, Schmuck, Töpferei.
Taos Pueblo verfügt über die meiste Zahl noch existierender und bewohnter mehrstöckiger Pueblo Häuser, gehört deshalb zum UNESCO Welterbe und ist zudem ein US-amerikanisches Kulturgut. Taos Pueblo ist das einzige, welches seit rund tausend Jahren permanent bewohnt blieb. Die Taos Töpferei zeichnet sich aus durch meist schlichte Farben und Verzierungen, aber dafür stark polierte, glänzende Oberflächen. Das Handwerk der Taos ist aber vielfältig. So beherrschen auch die Bogenmacherei, Fellverarbeitung, Silberschmied Arbeiten, Malereien und Glasstickereien.

Tagesbericht vom Montag, 22. April 2013

Wetter New Mexico: Sonnig, 20 Grad, böige Winde.
Reiseroute:
Santa Fé – High Road to Taos – Chimayo – Las Trampas - Picuris Pueblo – Taos – Taos Pueblo – Rio Grande River Gorge Bridge – Rio Grand River Gorge – Santa Fé; ca.170 Meilen.
Eindrücke vom Tage.
Ein Tag voller Eindrücke, Begegnungen und Fahrten durch tolle Landschaften! Alles im Detail beschreiben zu wollen, würde den Rahmen hier sprengen. Also der Reihe nach. Die Fahrt auf der „High Road to Taos“ (Hochstrasse nach Taos) beginnt mit einem kurvigen Auf und Ab durch eine grossartig geformte Sandfelsen Landschaft. Später steigt die Strasse bis auf knapp 2‘600 müM an und man befindet sich immer noch mitten in hochstämmigen Fichtenwälder. Unterbrochen wird die Gegend an der Westflanke der Sangre Christo Berge wiederholt durch grüne Ebenen mit kleinen Dörfern. Landschaftlich auch eindrücklich ist die Schlucht des Rio Grande bei Taos, wo man ab einer Autobrücke einen staunenden Blick in die Tiefe tun kann. Auf der Rückfahrt nach Santa Fé folgten wir dann der schmalen Schlucht, in welcher der Rio Grande gesäumt von langsam grünenden Bäumen ruhig fliessend mäandert.
Die erste „Begegnung“ fand auf einem unscheinbaren – um nicht zu sagen ärmlichen - und staubigen Friedhof bei Taos statt. Nach einigem Suchen spürten wir dank Hinweisen Einheimischer schliesslich das Grab des 2010 verstorbenen Schauspielers Dennis Hopper auf. Bekannt wurde er unter anderem durch den Film „Easy Rider“, welcher zu grossen Teilen in der Gegend von Taos gedreht wurde. Dies wiederum veranlasste Hopper, sich hier beerdigen zu lassen. Irgendwie passt das Grab zu seiner Persönlichkeit als eigenwilliger Exzentriker. Ein schlichtes Holzkreuz auf einem Steinhügel „garniert“ mit Fotos, Spielzeug Motorrädern und Schnapsflaschen.
Lebendiger waren dann die Gespräche, die wir mit zwei Einwohnern des Taos Pueblo führen konnten. Da zu dieser Jahreszeit nur wenige Touristen anzutreffen sind – und einigen davon sich eh nicht wirklich für die Menschen hier interessieren – verbrachten wir längere Zeit mit Art Lujan, einem Silberschmid, und Reynaldo Lujan, einem vielseitigen Kunsthandwerker. Wir diskutierten über das Leben im Pueblo und die Schwierigkeiten, das Traditionelle mit dem heutigen Umfeld zu vereinbaren. Oder wie es Reynaldo formulierte, es im Kopf und im Herzen zu bewahren. Art wiederum schilderte uns, wie er sein Handwerk vom Vater lernte und zeigte uns seine Arbeitstechnik.
und da war da noch …
… der erwähnte Reynaldo, welcher fast philosophisch jedoch gefasst meinte: “Die Erde dreht sich heute viel zu schnell“. Um dann aber gleich anzufügen: „Mir gefällt, was ich mache und ich bin zufrieden!“. Das sagt einer, der auf seine indianische Abstammung stolz ist, sich von seinem Sohn die fürs Geschäft unausweichlichen Computer Kenntnisse beibringen liess und in seiner Freizeit mit selbst hergestelltem Pfeil und Boden in der Wildnis Hasen jagen geht. Irgendwie hat der sein Leben im Griff, finde ich …

Tagesbericht vom Sonntag, 21. April 2013

Wetter New Mexico: „Bilderbuch“ bei 15 Grad.
Reiseroute: Santa Fé – Las Vegas NM – Pecos – Santa Fé; ca. 150 Meilen.
Eindrücke vom Tage.
Traumwetter für Fotografen. Sonnig, klar und eine schöne Portion weisse Wolken. Fast unanständig einfach um „schöne Bildli“ zu schiessen.
Der Weg von Santa Fé nach Las Vegas zeigt fast beispielhaft, wie die Geografie die alten und heutigen Verkehrswege gestaltet. In der waldigen Passage zwischen den Sangre de Christo Mountains – dem südlichen Ausläufer der Rocky Mountains – und der Mesa Glorieta bestanden schon zur Zeit der Ureinwohner Wege und Pfade. Später suchten sich die Spanier im 16. Jahrhundert von Santa Fé her einen Weg in die Ebene von Las Vegas. Als Verbindung Ost-West entwickelte sich der Santa Fé Trail, auf dem im 19. Jahrhundert die Siedler in Richtung Westen zogen. Heute führen die Autobahn und eine Bahnlinie auf den praktisch gleichen Spuren durch den Einschnitt.
Das Städtchen Las Vegas hat uns positiv überrascht. Die sehr zahlreich erhaltenen historischen Gebäude sind gut unterhalten und gepflegt, wenn auch in den Häuserreihen der Hauptstrasse einige Zahnlücken in Form nicht benutzter Gebäude zu verzeichnen sind. Der Ort ist heute noch aufgeteilt in den früheren spanischen Teil - gebaut um die traditionelle Plaza - und den später entstanden „modernen“  schachbrettartig konzipierten Teil. Beide sind getrennt durch den Gallinas River, was man in diesem Fall aber wirklich nur mit „Bach“ übersetzen sollte.
Auf einem Spaziergang durch die Pecos Ruins liess ich einmal mehr das Aufeinandertreffen der alten indianischen Kultur mit jener der sendungsbewussten und goldgierigen Spanier nachvollziehen. Immer wieder bedenklich, mit welcher Arroganz dabei die katholische Kirche vorging. Das Mittelalter mit der Inquisition lässt grüssen.
Las Vegas, New Mexico.
Anders als der weltbekannte Namensvetter in Nevada ist das Städtchen Las Vegas in New Mexico ein ruhiger und bescheidener Ort. Eine Blütezeit erlebte Las Vegas in den ersten Jahren der Route 66. Damals führte die Strasse aus Texas am südlichen Stadtrand von Las Vegas vorbei nach Santa Fé, dann hinunter nach Albuquerque und von dort weiter Richtung Westen. Später wurde dann eine direkte Verbindung von Santa Rosa nach Albuquerque geschaffen, welche den Verlauf der heutigen Interstate 40 vorwegnahm. Als lustiges Detail daraus ergibt sich, dass in Albuquerque die Route 66 auf sich selber trifft.
Heute sind in Las Vegas noch gut erhaltene Bauten aus der Zeit der Spanier und der späteren Siedler aus dem Osten der Staaten zu bewundern.
Pecos National Historic Park, New Mexico.
Das Zentrum des Parks bilden die Ruinen des Pecos Pueblo, welches um 1100 n.Chr. entstanden sein muss. Weiter gehören zum historischen Gelände eine spanische Missionskirche, ein Teil der alten Route 66 und das Schlachtfeld am Glorieta Pass, wo im Amerikanischen Bürgerkrieg gekämpft wurde.
Das Gebiet von Pecos war bereits durch prähistorische Indianerstämme besiedelt. Ums Jahr 800 n.Chr. müssen hier die ersten Pithouses (Erdhäuser) entstanden sein, bevor dann wie erwähnt das erste Pueblo entstand. Spanische Entdecker unter Vásquez de Coronado erreichten als erste Europäer 1540 das Pueblo. 1619 wurde dann die „Mission Nuestra Señora de los Angeles de Porciúcula de los Pecos“ (ob das die Indianer wohl aussprechen konnten?) gegründet und eine Kirche erbaut. Im Zuge der Pueblo Revolte von 1680 gegen die Spanischen Besatzer wurde genau vor der Kirche aus Protest ein Kiwa errichtet; ein unterirdischer Kultraum für indianische Zeremonien. Nach der Rückkehr der Spanier 1692 klappte dann das Zusammenleben etwas besser und Pecos Pueblo blieb bis 1838 bewohnt. Verlassen haben es die damaligen Bewohner aufgrund wiederholter Überfälle durch die Komantschen. Die Pecos Leute zogen ins Jemez Pueblo weiter westlich in New Mexico.
und da war da noch …
… der Personenzug der AMTRAK Bahngesellschaft auf seinem Weg in die Station von Las Vegas NM. Ich erwartete ihn auf dem Bahngelände mit der Kamera. Kurz vor dem Bahnhof stand aber ein Pannenfahrzeug auf dem Bahnübergang. Dieses konnte zwar noch rechtzeitig weggeschoben werden, um einen Unfall zu vermeiden. Aber zu spät, um eine Notbremsung des Zuges zu verhindern. Das führte zum Abschalten der Dieselmotoren mit entsprechender Wieder-Aufwärmzeit und langsamem Anfahren. In Sichtweite der wartenden Leute brauchte der Zug so rund 20 Minuten für die letzten 500 Meter bis zum Bahnhof. Gute Nerven waren also gefragt. Dies war allerdings nur eine Dreingabe auf die zuvor schon happige Verspätung von einer Dreiviertelstunde.
Die Überlandstrecken hier im Westen sind zwar sicher ein Fortschritt gegenüber der Postkutsche, aber halt noch lange keine Hochgeschwindigkeitszüge (die es im Übrigen an der Ostküste tatsächlich gibt) …

Tagesbericht vom Samstag, 20. April 2013

Wetter New Mexico:
Reiseroute:
Santa Fé – Tesuque Pueblo – Santa Fé; 50 Meilen
Eindrücke vom Tage.
Eine Fahrt durch das Tesuque Pueblo zeigt ein verstecktes Dorf in einem bewaldeten Hang der Sangre Christo Mountains. Die einzelnen Häuser sind alle im Adobe Stil erbaut, aber leider nur schwer zu sehen. Alle Grundtücke sind mit einer Mauer in Lehmbauweise oder mit einem traditionellen Holzzaun aus handgeschnittenen Stecken umgeben. Der Ort wirkt sauber und ruhig. Die Tesuque behalten sich ihre Privatsphäre. Ihr Land aber ist sehr beliebt für Wanderungen zu Fuss, zu Pferd oder mit dem Velo.
Am Nachmittag gab’s ein erstes Schnuppern in der Altstadt von Santa Fé.
Die Stadt Santa Fé, New Mexico.
Der Name ist wohlbekannt aus alten Western Filmen, in welchen oft auch die einstige gleichnamige Eisenbahn eine Rolle spielte. Santa Fé ist eigentlich die Abkürzung von "La Villa Real de la Santa Fé de San Francisco de Asís (Königliche Stadt des heiligen Glaubens des heiligen Franz von Assisi). Bleiben wir ganz einfach bei Santa Fé und betrachten einige Fakten. Die erste Besiedlung durch die Indianer bestand bereits im 12. Jahrhundert, die Stadtgründung erfolgte ca. 1607 durch die Spanier, wurde Sitz eines Gouverneurs und ist damit die älteste Hauptstadt der USA, war lange Zeit ein Handelsdrehpunkt zwischen Mexiko und den USA über den Santa Fé Trail, die Stadt liegt auf 2'000 Meter Meereshöhe und hat heute etwas über 75'000 Einwohner. Spannend ist vor allem auch das kulturelle Erbe dieser Stadt. So stammt der Gouverneurspalast aus dem Jahre 1610 und ist damit das älteste öffentliche Gebäude in den USA. Die Kirche San Miguel aus dem Jahre 1628 ist zudem die älteste Kirche in den Staaten. Das Stadtbild wird bis heute durch strenge Vorgaben geschützt. Bauten müssen im traditionellen Pueblo-Baustil errichtet und erhalten werden. Kein Wunder, dass Santa Fé heute ein auch bedeutendes Zentrum der Kunstszene ist. Museen mit traditioneller Indianerkunst und modernen Werken, berühmte Glasateliers und natürlich auch weiterhin der Markt mit den indianischen Kunsthandwerkern prägen die Stadt.
Mit dem 1984 gegründeten Santa Fé Institute kam auch eine anerkannte wissenschaftliche Einrichtung in die Stadt, an welcher Nobelpreisträger aus diversen Fachrichtungen an der Erforschung komplexer Systeme arbeiten.
Schliesslich ist Santa Fé aber vor allem ein Ort zum bummeln, geniessen, verweilen und Kaufen kunstvoller Souvenirs.
Tesuque Pueblo, New Mexico.
Lage:                            15 km nördlich Santa Fé
Indianischer Name:        Tet-Sugeh
Bewohner:                    ca 800
Kunsthandwerk:            Töpferei, Töpfer-Figuren
Besonderes:                 Ausgrabungen haben ergeben, dass dieses Pueblo schon vor dem Jahr 1200 existiert haben muss. Trotz einer geringen Bevölkerungszahl hat Tesuque sich im Verlaufe der Geschichte immer gegen äussere Einflüsse - insbesondere der spanischen Eroberer - gewehrt. So waren sie auch an der Spitze der Pueblo Revolte anzutreffen und waren die ersten, die dabei Verluste zu beklagen hatten. Die Tesuque Töpferei ist eher rar und orientiert sich stark an alten Mustern, braucht aber oft leuchtende Farben.
und da war da noch …
… der ältere Indianer auf dem Markt der Tesuque, welcher selbstgemachten Turqoise Schmuck anbietet. Auf die Frage, ob er die Rohsteine selber sucht oder einkaufen muss, meinte er trocken. „Türkis Abbau ist ein ertragreiches Geschäft der grossen Unternehmungen. Wer selber sucht, riskiert erschossen zu werden!“. Vielleicht etwas drastisch, aber seine Miene sprach Bände.
Dazu ist anzumerken, dass die ertragreichen Türkis Minen heute eh nicht mehr in New Mexico, sondern in Arizona und Utah sind.

Tagesbericht vom Freitag, 19. April

Wetter unterwegs: Sonnig, am Morgen kalt, um 0 Grad.
Wetter New Mexico: Sonnig, windig, max 15 Grad.
Reiseroute: Oklahoma City – Interstate 40 - Elk City OK – Texola (Grenzort zu Texas) – Amarillo TX – Tucumcari NM– Clines Corner NM – US 285 – Santa Fe; ca. 540 Meilen.
Eindrücke vom Tage.
Kurzfassung („Tempomat-Variante“):
Oklahoma City – auf Interstate-40 480 Meilen westwärts bis Clines Corner dann auf US-285 80 Meilen nordwärts bis Santa Fé; Höhendifferenz Start – Ziel 1‘900 Meter.
Ausführlichere Variante:
Heute haben wir die Central Time Zone verlassen und sind wieder in der Mountain Time Zone mit einer Zeitdifferenz von minus acht Stunden zur Schweiz. Wir haben heute also eine Stunde zurück „gewonnen“. Von Oklahoma City auf 300 müM stiegen wir kontinuierlich an auf über 2‘200 müM in Santa Fé. Die Fahrt glich dem Gleiten über einen Riesenteppich, welcher ab und zu etwas Falten aufwies. Die Route führte durch eine Landschaft, in der sich sanfte Hügelwellen mit flachen Weiten ablösten, bei denen man die Erdkrümmung zu erkennen glaubte. Die heutige Strecke führte weitgehend entlang der historischen Route 66, welche wir im Jahr 2008 im Detail befahren hatten. So riefen verschiedene Orte und Anblicke beste Erinnerungen wach. So etwa die Brauerei von Amarillo, welche jedem Gast ein gratis Steak von 2 kg offeriert – vorausgesetzt er schafft das in einer Stunde! Auch bekannt in Amarillo ist die so genannte Cadillac Ranch, eine Reihe in den Sand gesteckter alter Modelle. Oder etwa die Rindersammelstelle bei Wildorado mit ihren tausenden auf den Transport wartenden Tieren. Am Midpoint bei Adrian TX, wo man genau je 1‘193 Meilen von den beiden Enden der Route 66 entfernt ist, genossen wir ein kleines „Notalgie Kafi“. So wurde es uns trotz der langen, im Übrigen völlig stressfreien, Fahrt nicht langweilig.
und da war da noch …
… das Örtchen McLean in Texas, bekannt als einstigen Städtchen an der Route 66. Ein gutes, wenn auch trauriges Beispiel dafür, wie eine Ortschaft mit dem Sterben der Route 66 auch gleich selber in die Bedeutungslosigkeit stürzte. Viele verlassene und verlotterte Häuser prägen das Bild. Von der Vergangenheit blieb einzig eine gut gepflegte alte Philips Tankstelle und ein Tante Emma Laden, welcher gleichzeitig Tankstelle, Dorfladen und Restaurant ist. Geblieben ist auch die Verkehrsführung in dem beinahe ausgestorbenen Ort. Die Hauptstrasse und die parallele First Street sind beide – obwohl jede zwei bis drei Spuren breit - jeweils im Einbahnverkehr geregelt. Das wirkt in der heutigen Situation wie ein Witz. Vielleicht hat man einfach vergessen, das zu ändern oder man will sich damit ein Stück aus der stolzen Vergangenheit bewahren.

Tagesbericht vom Donnerstag, 18. April 2013

Wetter Oklahoma: In der Nacht starke Gewitter und sintflutartiger Regen; Temperatursturz mit knapp über null Grad am Morgen; tagsüber Bise und erst gegen Abend Aufhellungen.
Reiseroute: Oklahoma City.
Eindrücke vom Tage.
Bei unserem heutigen Bummel begegneten wir zwei völlig unterschiedlichen Gesichtern der Stadt . Begonnen haben wir unseren Spaziergang am unteren Ende der sogenannten „Bricktown“ (Backstein Stadt). Hier sind viele der ehemaligen Wohn-, Lager-, und Fabrikhäuser der Stadt erhalten geblieben und wurden zu einem Vergnügungs- und Gastronomie Viertel umgestaltet. Dabei wurde mit einem Kanal – samt Wassertaxi – und viel Grün und angenehmen Fusswegen ein kleines Juwel geschaffen. Angesichts der heutigen eisigen Temperaturen hielt sich das Besucheraufkommen allerdings in sehr engen Grenzen.
Sehr eindrücklich, aber auch bedrückend dann der Besuch des Memorials zu Ehren der beim Anschlag vom 19. April 1995 umgekommenen 168 Menschen (darunter 19 Kinder). Das Gebäude einer Bundesverwaltung wurde zu einem Drittel zerstört. Der Täter, denn man wohl zu Recht als kompletten Spinner bezeichnen darf, handelte vermutlich aus Zorn über die Regierung. Sein Motiv wurde nie ganz geklärt; er wurde 2001 hingerichtet.
Dort wo früher das Verwaltungsgebäude stand, stehen heute in einer Wiese leere Stühle – einer für jede beim Anschlag umgekommene Person. Dort wo die Strasse vor dem Gebäude verlief, befindet sich ein seichtes Wasserbecken. An dessen beiden Enden markieren symbolische Tore die einstigen Haupteingänge.
Tornados.
Gestern Abend zogen einige Tornados knapp nordwestlich an der Stadt Oklahoma City vorbei. In der Folge des Unwetters ergab sich über Nacht ein Temperatursturz von über 25 Grad Celsius zu etwa 2 – 3 Grad heute Morgen. Wie kommt das? Tornados entstehen dort, wo sich kalte und warme Luftmassen treffen, wobei letztere darunter zu liegen kommt. Momentan herrscht im Norden der USA noch tiefer Winter. Der Staat Wyoming beispielsweise erhielt gestern über einen halben Meter Schnee. Andererseits herrschen in der Region am Golf von Mexiko bereits Temperaturen von 30 Grad Celsius. Diese warme Luft drückte nun nach Norden, während der Jetstream (Höhenströmung) die Kaltfront nach Süden drückte. Da im Gebiet der „inneren grossen Ebenen“ (Texas, Oklahoma, Kansas) keine natürlichen Hindernisse wie etwa Berge vorhanden sind, können sich Wettersysteme ungehindert bewegen. Ein „Treffpunkt“ war nun gestern exakt im zentralen Oklahoma. Nach Durchzug der Tornadofront setzte sich hier die kalte Strömung durch. Wir werden voraussichtlich auch morgen früh Temperaturen um null Grad antreffen.
und da war da noch …
… der Chef eines Restaurants, mit dem wir ins Plaudern kamen (und dabei einen heissen Tipp für ein Restaurant in New Mexico erhielten). Nach den ersten Wortwechseln meinte er aus meinem „Dialekt“ herauszuhören, dass wir aus Alabama stammen. Nun, da musste ich ihn natürlich enttäuschen. Aber immerhin schön, dass wir so ein bisschen für Einheimische gehalten werden.

Tagesbericht vom Mittwoch, 17. April 2013

Wetter Oklahoma City: Drückend, 28 Grad, angesagte Regenstürme und Tornados blieben (bisher) aus.
Eindrücke vom Tage.
Viel gesehen, viel erfahren, viel gelernt und kaum etwas zu erzählen. Wie kommt das? Wir besuchten heute zwei Museen; das National Cowboy & Western Heritage Museum und das Oklahoma Museum of History. Das Ausmass und der Detailierungsgrad der Darstellungen fordert einiges an Aufnahmevermögen und Durchhaltewillen. Aber es lohnt sich und die Exponate – Bilder, Fotos, Berichte, Kunsthandwerk, Ausrüstungsgegenstände, usw - sind wirklich einmalig. Aber daraus eine Erzählung machen zu wollen, ist wohl vermessen. Also, wir hatten einen eindrücklichen und interessanten Tag. Und das muss für den heutigen Bericht genügen.
Oklahoma City, Oklahoma.
Die Stadt wurde 1835 gegründet und erlebte einen markanten Aufschwung im Zuge des „Oklahoma Land Run„ von 1889 (siehe Beschrieb US Bundesstaat Oklahoma). Die Stadt selber zählt 600‘000 Einwohner, die Agglomeration rund das Doppelte. Der Leitspruch der Stadt lautet „Labor omnia vincit improbus“ (nach Virgil; etwa „Harte Arbeit überwindet Alles“) – ein Spruch der allen Schweizer Generalstabsoffizieren bestens bekannt sein dürfte.
Touristisch bietet sich in Oklahoma City ein Besuch der Altstadt, der sogenannten Bricktown, samt ihrem Wassertaxi an. Unumgänglich ist auch das „National Cowboy and Western Heritage Museum“, welches bestens zu diesem Siedler Staat passt. Ebenfalls ein Museum hat die 45. Infanterie Division; Oklahoma ist heute noch Standort einer Militärschule. Weiter ist das Denkmal zum Terroranschlag von 1995 ein unbedingtes, wenn auch nachdenklich stimmendes Muss für jeden Besucher.
Den Basketballfans ist sicher bekannt, dass im Team der Oklahoma Thunder ein Schweizer namens Sefalosa eine tragende Rolle spielt.
und da war da noch …
… die Rückwand, welche die Seitenwand fragte: “Treffen wir uns in der Ecke?“ …

Tagesbericht vom Dienstag, 16. April 2013

Wetter Louisiana/Texas: Unterwegs sonnig bis bewölkt, 25 Grad.
Wetter Oklahoma: Gegen Abend massiver Temperaturabfall auf 10 Grad; für Morgen stehen schwere Gewitter an.
Reiseroute: Shreveport LA – Interstate 20 – Grenze zu Texas - US Highway 69 – Greenville TX – Sherman TX – Grenze nach Oklahoma – Oklahoma City, 400 Meilen.
Eindrücke vom Tage.
Das Wetter wurde im Verlaufe des Tages zunehmend sonniger und dank dem geringen Verkehr hatten wir eine recht geruhsame Fahrt. Um die riesige Agglomeration Dallas/Fort Worth samt ihrem Verkehr zu umfahren, wählten wir die Strecke ostwärts dieser Städte durch den nordöstlichen Zipfel von Texas. Eine grüne Landschaft mit Felder, viel Rinderzucht und Pferdezucht. Nach dem kleinen Pass bei den Arbuckle Mountains ging’s hinunter ins Ziel nach Oklahoma City.
Den Abschluss des Tages machten wir bei einem feinen Steak in einer urchigen Oklahoma Beiz mit Sätteln, Kuhhörnern, Fellen und Ähnlichem an den Wänden.
Nun wollen wir uns die nächsten zwei Tage die Stadt Oklahoma etwas ansehen. Könnte allerdings sein, dass wir dazu Jacke und Regenschirm brauchen. Die Wetteraussichten sind nicht gerade freundlich.
Der US Bundesstat Oklahoma.
Oklahoma zählt auf einer Fläche von 181'000 qkm (etwa 4 x die Schweiz) knapp 4 Mio Einwohner. Von der Zusammensetzung der Bevölkerung her, gehört Oklahoma zu den so genannten weissen Staaten und gilt traditionell als konservativ. Klimatisch dominieren heisse Sommer und milde Winter. Der mehrheitlich von Ebenen geprägte Staat begünstigt das Entstehen von Tornados, welche hier zu gewissen Jahreszeiten mit schöner Regelmässigkeit erwartet werden müssen. Das Territorium Oklahoma erwarben die USA als Teil des Louisiana Kaufs 1803 von Frankreich. Das Gebiet wurde damals als wertlos betrachtet und man nützte es in der Folge zur Ansiedelung von aus dem Osten vertriebenen Indianerstämmen. Als „Trail of Tears“ (Weg der Tränen) bezeichnete man später diese Aktion. 1834 wurde Oklahoma zum Indianer Territorium erklärt. Nachdem entgegen einem Verbot der US Regierung immer wieder weisse Siedler in Oklahoma eindrangen, wurde am 22. April 1889 ein über 8‘000 qkm grosses Gebiet für Einwanderer frei gegeben. Das führte zu einem riesigen Ansturm, dem „Oklahoma Land Run“. In dieser Zeit entstand praktisch innerhalb von Tagen die Stadt Oklahoma City. 1890 wurde aus dem Indianer Territorium das Oklahoma Territorium und 1907 trat Oklahoma als 46. Staat den USA bei.
Eine Entdeckung und zwei tragische Ereignisse sollten den Staat in der Folge erfassen. 1928 wurden Erdölfelder entdeckt, was die wirtschaftliche Entwicklung natürlich rasch vorantrieb. Andererseits mussten grosse Teile der ländlichen Bevölkerung nach Jahren der Dürre mit verheerenden Sandstürmen in den 1930-er Jahren ihre Farmen verlassen. Sie emigrierten entlang der Route 66 nach Westen in eine unsichere Zukunft.
1995 folgte – durch eine kleine terroristische Gruppe von Amerikanern - der Bombenanschlag auf das Murrah Federal Building in Oklahoma City. Es starben 168 Menschen, darunter auch Kinder.
Oklahoma lebt auch heute noch weitgehend von der Landwirtschaft, die auf den weiten Ebenen betrieben wird, der Rinderzucht, der Förderung von Öl und Gas und dem Abbau von Kohle, Granit und Kalkstein.
und da war da noch …
… der Fahrlehrer, der seinem Schüler erklärte, dass die gerade Haltung der Hände am Steuerrad bei drei und neun Uhr sei. Worauf der Schüler wissen wollte, welche Handhaltung dann beispielsweise um ein Viertel nach sechs Uhr die richtige sei …

Tagesbericht vom Montag, 15. April 2013

Wetter Alabama: Trüb und kühle 15 Grad.
Wetter Mississippi/Louisiana: Zunehmend sonnig und bis 33 Grad.
Reiseroute: Montgomery AL – Selma AL – Meridian MS – Jackson MS – Vicksburg MS – Shreveport LA; 470 Meilen.
Eindrücke vom Tage.
Kurzversion: Durch Alabama viel Wald und erneuerte Strassen / durch Mississippi immer noch viel Wald und lausige Strassen / durch Louisiana weniger Wald, viele Felder und gute Strassen.
Ausführliche Version: Nun geht’s also wieder Richtung New Mexico, wo wir nach dem Süden auch den Nordteil mit seinen vielen Indianer Pueblos kennen lernen wollen. Zunächst führte uns US Highway 90 in Richtung der Stadt Selma. Wir fuhren somit in der Gegenrichtung zum Bürgerrechtsmarsch von 1965, den Martin Luther King von Selma aus anführte. Im dritten Anlauf und unter Schutz der Nationalgarde schafften es die Bürgerrechtler damals schliesslich nach Atlanta.
Im späteren Verlauf unserer Tagesreise passierten wir Vicksburg am Mississippi, wo 1863 im amerikanischen Bürgerkrieg eine der verbissensten Schlachten um die Kontrolle des Flusses als Nachschubachse geschlagen wurde.
Der Mississippi bildet gleichzeitig die Grenze zwischen den US Bundesstaaten Mississippi und Louisiana. Letzteren Staat querten wir dann bis zum Abend fast bis an seine Westgrenze, um in Shreveport den Tageshalt zu machen.
und da war da noch …
… folgendes, aufgrund seiner besonderen „Logik“ nicht einfach zu lösendes Rätsel.
Was ist Schwarz-Weiss und hat 16 Räder? … Ein Zebra auf einem Skateboard!
Noch nie gesehen? Schon möglich, denn nur wenige Zebras beherrschen das und im Zoo ist es ihnen gemäss Hausordnung gar nicht gestattet …

Tagesbericht vom Sonntag, 14. April 2013

Wetter Alabama: Dauerregen, 12 Grad.
Reiseroute: Montgomery AL
Eindrücke vom Tage.
„Viel Sonnenschein in der Schweiz“ liest man in den online Zeitungen. Es sei allen gegönnt. Unser Wetter hier passt zum Tagesprogramm. Da wir heute die Besuche in Montgomery abschliessen, noch einige Kleinigkeiten einkaufen und morgen wieder eine lange Strecke gegen Westen fahren, hatten wir ohnehin einen „faulen“ Sonntag eingeplant.
Am Abend ein „Good Bye Dinner“ mit Jess und Marguerite im Montgomery Country Club. Wer weiss, ob und wann wir uns wiedersehen.
und da war da noch …
… die Frau an der Bar, welche zu ihrem Gesprächspartner sagt: „Wenn sie ein paar Kilos schlanker wären, sich rasieren würden und sich einen anständigen Haarschnitt verpassen liessen, dann sähen sie wohl ganz manierlich aus.“ Er meinte darauf: „Möglich, aber dann würde ich mich wohl mit einer Hübscheren als sie es sind unterhalten“.

Tagesbericht vom Samstag, 13. April 2013

Wetter Alabama: Sonnig, 25 Grad.
Reiseroute: Montgomery AL
Eindrücke vom Tage.
„Besuchstag“ in Montgomery. Bei einem Lunch mit Jess Reed plaudern wir über Aktuelles und Vergangenes in Montgomery und Alabama. Eine Fahrt durch die alte Innenstadt zeigt auf, dass Montgomery wirtschaftlich wieder im Aufstreben ist und das Stadtbild zunehmend an Attraktivität gewinnt. Manche einst halb verfallene Gebäude in der Stadt erstrahlen wieder in ihrem besten Licht und verbreiten mit ihrer Backstein Bauweise südlichen Charme.
Beim Besuch von Barbara und Jim Walsh mussten wir leider zur Kenntnis nehmen, dass sich Jim’s Gesundheit in den vergangenen zwei Jahren stark verschlechtert hat. Bob Bunch verbringt zurzeit eine Reha nach seiner Operation. So verblieben den nebst uns noch Barbara Walsh und Jo Ship für ein Nachtessen zu viert. Angenehm und unterhaltsam war es trotzdem und wir genossen den Abend.
und da war da noch …
… die Frage nach der Sicht der Dinge oder dem eigenen Standpunkt. In einer Zeittafel in einem Südstaaten Museum wird auf einen Anlass hingewiesen, welcher während dem amerikanischen Bürgerkrieg zeitweise ausgesetzt wurde. Als Begründung wird aber nicht der Begriff Bürgerkrieg angegeben, sondern man spricht von der „Aggression aus dem Norden“. Wie man die Dinge sieht, hängt eben schon davon ab, wo und auf welcher Seite man steht.

Tagesbericht vom Freitag, 12. April 2013

Wetter Alabama: Sonnig, 25 Grad.
Reiseroute: Mobile AL – Montgomery AL; 170 Meilen.
Eindrücke vom Tage.
Nach dem Wolkenbruch gestern Abend zog die Schlechtwetterfront rasch weiter, sodass wir bei schönstem Wetter die Fahrt nach Montgomery antreten konnten. Eine Fahrt, die nicht sehr spektakulär ist. Alabama besteht zu zwei Dritteln aus Wald und Wasser und so ist die Strecke von Mobile nach Montgomery praktisch durchgehend von Bäumen gesäumt und die Aussicht entsprechend beschränkt.
Das Hauptereignis heute war aber das Wiedersehen mit unserem langjährigen Freund Jess Reed und dem Ehepaar Betty-Scottt und Bud Franklin. Bei einem gepflegten Abendessen genossen wir die Gelegenheit zum Plaudern und Scherzen. Ein sehr schöner Abschluss des Tages!
und da war da noch …
… die Sicherheit. Sie ist das Gefühl, welches man kurz vor jenem Moment noch hat, in dem man die Sache wirklich zu begreifen beginnt.

Tagesbericht vom Donnerstag, 11. April 2013

Wetter Mobile: Bedeckt, grau, feucht, 30 Grad, am Abend Regen
Reiseroute: Mobile AL Foley – Daphne – Mobile; 80 Meilen.
Eindrücke vom Tage.
Aufgrund des unsicheren Wetters und der angesagten Sturmfront begaben wir uns nur auf einen kurzen Trip zum Einkaufen im Outlet Center von Foley und genossen auf dem Rückweg die landschaftlich schöne Gegend am Ostufer der Bucht von Mobile. Zwar hielt sich das Wetter noch einigermassen und so erreichten wir gerade noch trockenen Fusses das Hotel. Bei der Fahrt über die Uferstrasse bei Mobile spritzten die Wellen aber schon auf die Fahrbahn.
und da war da noch …
… die Sache mit den Atomen. Zu verstehen, was Atome sind, ist heutzutage ein Kinderspiel - letztere heute zu verstehen dagegen nicht.

Tagesbericht vom Mittwoch, 10. April 2013

Wetter Mobile AL: Sonnig, leicht bewölkt, drückend, 30 Grad, Luftfeuchtigkeit 90%.
Reiseroute: Mobil AL
Eindrücke vom Tage.
Nach drei Tagen Reise von West nach Ost wollten wir uns wieder etwas zu Fuss bewegen. An erster Stelle standen dabei die historischen Häuser im alten Mobile, welche von den Eigentümern liebevoll und stilecht gepflegt werden. Ein Wiedersehen gab es mit den verrückten (und auch verrückt teuren Mardi Gras Carnival Gewänder) im Carnial Museum von Mobile. Am Abend genossen wir in der Bay draussen ein Seafood Dinner in einem der traditionellen auf hohen Holzstelzen gebauten Restaurants am Wasser.
Die Entwicklung der Stadt Mobile, Alabama.
Die Stadt ist zurzeit wirtschaftlich im Aufwind. Neue Firmen ziehen zu, elegante Restaurants werden eröffnet und die Leute sind guter Stimmung. Im Zentrum der momentanen Aufbruchsstimmung steht der Spatenstich der EADS für ein 600 Millionen Werk, in welchem ab 2015 der Airbus 320 gebaut werden soll und das rund 1‘000 qualifizierte Arbeitsplätze bringt.
und da war da noch …
… die Definition von „zuhause“. Zuhause ist dort, wo man am meisten murrt, es aber am besten hat.

Tagesbericht vom Donnerstag, 09. April 2013

Wetter Louisiana: Am Morgen windig und 90% Luftfeuchtigkeit, 20 Grad – die Chance, dass uns der Regen nächstens erwischt steigt …
Wetter Alabama: Meist sonnig, 30 Grad; wir sind der Schlechtwetterzone (noch einmal) entflohen.
Reiseroute: New Iberia LA – US90 Ost – Morgan City – New Orleans – Brücke Lake Pontchartrain – Gulfport – Biloxi LA – Mobile AL.
300 Meilen (480 km).
Eindrücke vom Tage.
Den Start machten wir gleich in New Iberia mit dem Besuch der altertümlichen, aber immer noch betriebenen Reismühle „Konriko“. Mit einigen „saftigen“ Gewürzen in der Tasche ging’s dann auf die Reise. Auch heute nahmen wir wo immer möglich die Küsten nahe Route und genossen ein weiteres Mal die unglaubliche Landschaft mit abwechselnd Wald und weitläufigen Sumpfgebieten. New Orleans liessen wir „links“ liegen, sonst wären wir wohl hängen geblieben. Aber wir überfuhren einmal mehr die 24 Meilen lange Brücke quer über den Lake Pontchartrain. Bei der heutigen Bewölkung und dem leichten Dunst war das Gegenufer spät erkennbar. So ergab sich das Gefühl, geradewegs ins offene Meer hinaus zu steuern.
Interessant war es auch, ab und zu aufs GPS zu schauen. Heute fuhren wir auf Strassen, welche oft unter Meeresniveau liegen. Die Höhenngaben pendelten von minus 10 bis plus 15 Meter.
Die Stadt Mobile, Alabama.
Die mit rund 200‘000 Einwohnern (Agglomeration ca. 450‘000) dritt grösste Stadt im Staat Alabama hatte seit jeher grosse Bedeutung als Hafenstadt. Sowohl in der Kolonialzeit als auch im Amerikanischen Bürgerkrieg war der in einer tiefen Bucht geschützt gelegene Hafen von strategischer Bedeutung als Zugang ins Binnenland im Südosten der USA. Heute ist Mobile einer der grössten Frachthäfen im Süden der USA. Die Anbindung an die Autobahn Interstate-10 und an die Eisenbahn trägt dazu ebenso bei, wie die Präsenz der Navy und grosser Firmen wie neu zB der EADS.
Die Besiedlung durch Europäer begann 1702 durch die Franzosen, welche die Stadt befestigten und bis 1763 halten konnten. Danach nahmen Engländer, Spanier und schliesslich die USA Besitz von Mobile.
Der weitläufige historische Teil der Stadt Mobile ist gekennzeichnet durch eine Architektur, die fachmännisch als neoklassizistische, neugotische, italienisch anmutende und kreolische beschrieben wird. Diese historischen Bauten - meist Wohnhäuser, aber auch Kirchen und öffentliche Gebäude - entstammen der Nachkriegsepoche, was hier in den USA heisst, sie entstanden nach dem amerikanischen Bürgerkrieg. Mittels strenger Vorschriften wird sichergestellt, dass die Bauten und ihre unmittelbare Umgebung originalgetreu erhalten bleiben. Das gilt für die Fassaden ebenso, wie für das Innenleben. Bei Renovierungen müssen adäquate Materialien verwendet werden. So bleibt die Substanz der wunderschönen historischen Quartiere erhalten. Für die Hausbesitzer kann sich dies allerdings zu einem teuren „Hobby“ auswachsen. Doch die meisten tragen dies mit Fassung und sind stolz auf ihre Stadt.
Berühmt ist Mobile auch für seine Fasnacht. Tatsächlich entstand die Tradition des „Mardi Gras“ nicht wie oft fälschlicherweise vermutet in New Orleans, sondern in Mobile. Ein Besuch im „Mardi Gras Museum“ mit seinen fantasievollen und kostbaren Exponaten ist daher Pflicht für jeden ernsthaften „Mobile Touristen“.
und da war da noch …
… die ältere Dame in einem Restaurant, welche nach getätigtem Gespräch ihr Handy flugs in der Bluse versorgte (kein Witz!). Da es nicht unten herausfiel, muss sie es wohl in ihren BH gesteckt haben. Sofern sie nun noch den Alarmmodus auf „vibrieren“ eingestellt hatte, so genoss sie beim nächsten Anruf eine hoffentlich wohltuende Brustmassage. Und das alles ohne eigenes Dazutun, ohne in der Öffentlichkeit unangenehm aufzufallen oder unanständige Zugriffe erleiden zu müssen …

Tagesbericht vom Montag, 08. April 2013

Wetter Texas: Dunkle Wolken am Morgen, aber trocken bei 20 Grad.
Wetter Louisiana: Zunehmend Aufhellung und teilweise sonnig, 25 Grad, feucht.
Reiseroute:
Fredericksburg TX – Port Arthur TX – New Iberia LA;
runde 460 Meilen (ca. 740 Kilometer).
Eindrücke vom Tage.
Kurz nach Fredericksburg TX realisierten wir, dass die Gegend voll von Reben ist. Wohl auch etwas, was die Deutschen seiner Zeit mitgebracht haben. Anschliessend erwiesen wir dem ehemaligen US Präsidenten Lyndon B. Johnson die Ehre, indem wir durch seinen Geburtsort namens Stonewall (ein Ortsteil nennt sich heute Johnson City) fuhren – zwar in vorschriftsgemässer Geschwindigkeit!
Mit der ländlichen Umgebung war es dann bald vorbei. Als nächstes stand das Durch- und Umfahren der Millionen Agglomerationen Austin und Texas an. Leicht hektischer Verkehr und „vierstöckige“ Autobahnkreuze begrüssten uns. In Port Arthur machten wir einen Halt, um die Füsse zu vertreten und erstmals Meeresluft zu schnuppern.
Nun folgte der schönere Teil der heutigen Strecke. In Küstennähe ging’s nun durch weite Feuchtgebiete, vorbei an Crawfish Farmen und Reisfeldern und ab und zu über 40 – 50 Meter hohe Brücken unter denen Hochseeschiffe die einzelnen Häfen erreichen können.
Port Arthur, Texas.
Die texanische Kleinstadt nahe der Grenze zu Louisiana liegt am Sabine Lake, der eigentlich kein See, sondern eine Lagune ist. Die Staatsgrenze zwischen Texas und New Mexico verläuft mitten durch den See. Die Verbindung zum Golf von Mexiko ist schmal und die Wassertiefe des Durchgangs ist gering. Das ist sicher der Grund, warum aus dem einst berüchtigten Schmugglergewässer nie ein bedeutender Handelshafen wurde. Der Freibeuter Jean Lafitte hat hier im 19. Jahrhundert Sklaven nach Louisiana geschmuggelt und soll an verschiedenen Orten sein Gold versteckt haben. Der Beweis steht aus, da bis heute keine Schätze gefunden wurden.
Obwohl das Gebiet am Sabine Lake schon vor 1500 Jahren besiedelt war, schlugen im 19. Jahrhundert mehrere Versuche, einen florierenden Ort zu gründen zunächst fehl. Heute ist die Stadt ein Zentrum der Erdölverarbeitung. Die Einwohnerzahlen – zurzeit sind es ca. 50‘000 – zeigen seit den 1960er Jahren ein Auf und Ab in ziemlichem Einklang mit der allgemeinen Konjunktur.
Für Pop Fans bleibt noch zu erwähnen, dass Port Arthur die Heimatstadt der (zu) früh verstorbenen Sängerin Janis Joplin ist.
Der US Bundesstaat Louisiana.
Den US Bundesstaat „nutzen“ wir auf dieser Reise nur als Passage von Texas nach Alabama, und zwar auf der Küstentrasse US-90. Daher notieren wir an dieser Stelle nur einige wenige Fakten zu diesem Südstaat.
Louisiana wurde 1812 ein US Bundesstaat, ist rund drei Mal so gross wie die Schweiz und zählt gegen 5 Mio. Einwohner. Der Name stammt aus der französischen Kolonialzeit und wurde zu Ehren des damaligen Königs Ludwig XIV gewählt. 1803 kauften die USA Napoleon - welcher das Interesse an dieser Kolonie verloren hatte und zudem dringend Geld für seine Kriegskasse brauchte – das damals riesige Louisiana für 15 Mio. US Dollar ab. Die bekannteste Stadt ist sicher New Orleans, welche durchaus als Muster für die südländische Lebenshaltung und die Vermischung mehrerer Kulturen im Staate gelten darf. Noch heute finden sich in Louisiana dazu lebendige Zeugen in Form von Traditionsanlässen und Sprachen. Amerikanische, französische, englische und auch spanische Elemente zeigen sich noch heute beispielsweise in der Architektur. Und das kleine Volk der Cajuns (Nachfahren der im 18. Jahrhundert aus Kanada vertriebenen akadischen Franzosen) hält noch heute die eigene Sprache, Musik und Küche am Leben.
und da war da noch …
… eine Gruppe Motorradfahrer, die alle einen Anhänger mitführten. Bis auf einen waren das alles die üblichen Zweiradanhänger für Gepäck und Ausrüstung. Einer allerdings war ganz speziell. Auf dem einachsigen Gefährt war ein veritabler so genannter „Oklahoma“ Grill aufgebaut. Das ist so eine ca. 2 Meter lange schwarze Tonne mit hohem Kamin. Aus letzterem stieg allerdings kein Rauch auf. Grillen bei voller Fahrt scheint doch noch etwas zu heikel zu sein. Schliesslich will man ja bei Ankunft das Steak nicht verkohlt geniessen müssen …

Tagesbericht vom Sonntag, 07. April 2013

Wetter Texas: Sonnig, leicht bewölkt, 30 Grad.
Reiseroute: Carlsbad NM – US190 Ost - Lamesa TX – US87 Süd - Fredericksburg TX; runde 430 Meilen (680 km).
Eindrücke vom Tage.
Heute brauchten wir mit der US 190 und der US 87 gerade mal zwei Strassen, um die 6 ½ Stunden Reise – inklusive Halte für Benzin, Lunch und Kaffee - hinter uns zu bringen. Auf den mehrspurigen und oft richtungsgetrennten Überlandstrassen liess es sich bei sehr geringem Verkehrsaufkommen äusserst entspannt fahren. Obwohl meist flach und geradeaus verlaufend, war die Szenerie links und rechts der Strasse recht abwechslungsreich. Der Rest durch den Süden von New Mexico führte durch eine Wüste mit den charakteristischen Ölpumpen, den „Nickmännchen“ und Gruben für Kaliabbau; dazwischen einige verloren wirkende Kühe.
Gleich nach der texanischen Grenze zeigte es sich, dass Texas dieses Jahr bereits ausgiebige Niederschläge erhalten hat. Der Boden ist hier nicht mehr ausgetrocknet und die Bäche und Flüsse führen Wasser. So erlebten wir von Norden Richtung Süden zunächst riesige angesäte Felder für Getreide, Kartoffeln und Baumwolle. Die Nutztierhaltung auf den grünen Weiden wechselte in bunter Folge von Rindern zu Pferden und Schafen. Letztere stellten sich allerdings bei näherem Hinsehen als Merino Ziegen heraus. Je südlicher wir kamen, umso mehr nahmen auch die Laubwälder wieder zu.
Ein besonders Bild zeigte sich südlich von Lamesa und Big Springs. Hier liegt ein Zentrum der texanischen Energiegewinnung aus Windenergie. Die Windmühlen gehören allesamt zu den grössten zurzeit gebauten Modellen. Nach unserer groben Schätzung müssten es wenigsten mehrere Hundert gewesen sein, viel eher aber wohl über 1‘000 solcher „Schwirbel“.
Von Carlsbad NM nach Fredericksburg TX machten wir höhenmässig heute einen Abstieg von rund 1‘000 auf ca 150 müM. Morgen werden wir dann in der Gegend des Golfs von Mexiko auf Meereshöhe ankommen.
Mit dem Wechsel in den Bundesstaat Texas befinden wir uns nun in einer anderen Zeitzone, der Central Time Zone. Der Zeitunterschied zur Schweiz beträgt ab heute minus 7 Stunden. Wir rückten „näher“ zur Schweiz und „verloren“ dafür unterwegs eine Stunde.
Der US Bundesstaat Texas.
Da wir in Texas nur auf Durchreise sind, sollen an dieser Stelle ein paar wenige Fakten zu diesem US Bundesstaat genügen. Texas weist nach Kalifornien mit 26 Mio Einwohnern die zweithöchste Bevölkerungszahl der US Bundesstaaten auf. Flächenmässig ist Texas mit nahezu 700'000 qkm ebenfalls die Nummer zwei in den USA, diesmal hinter Alaska. "Don't mess with Texas" (Lege dich nicht mit Texas an!) ist ein Ausspruch, der meist von den Texanern selber gern verwendet wird, was ihnen nicht selten als texanische Arroganz ausgelegt wird.
Geschichtlich ist Texas für die USA deshalb von Bedeutung, weil mit texanischen Unabhängigkeitskriegs und dem damit verbundenen Ausgang des folgenden amerikanisch-mexikanischen Kriegs riesige Gebiete des vormals zu Mexiko gehörenden Südwestens an die USA fielen.
Fredericksburg, Texas.
Der eher zufällig (nach Reisedistanz) ausgesuchte Übernachtungsort geht auf deutsche Einwanderer zurück. Die Einwohner der Stadt sind offensichtlich heute noch stolz auf ihre deutsche Abstammung. Viele Straßen, Restaurants, Hotels und Geschäfte haben deutsche Namen, wie etwa "Lindenbaum", "Friedrich's" oder "Ratskeller" Die hier noch lebenden Deutschamerikaner sprechen offenbar noch teilweise ein spezielles Texasdeutsch.
und da war da noch …
… die Wasserpolizei von New Mexico. Diese ist allerdings nicht mit einem Boot unterwegs um Hobbykapitäne oder Fischer zu kontrollieren. Diese Wasserpolizei spürt Wasserverschwender auf. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit im Staat sind u.a. automatische Rasensprinkler oder grossflächige Wässerungen mit Schlauch verboten. Eine Situation, die wir uns zuhause in unserem mit Wasser verwöhnten Land nicht vorstellen können.

Tagesbericht vom Samstag, 06. April 2013

Wetter New Mexico: Sonnig/bewölkt, 25 Grad
Reiseroute: Carlsbad – Carlsbad Caverns.
Eindrücke vom Tage.
Mit der ersten Morgentour besichtigten wir den „Kings Palace“, die wohl schönste Höhle im System der Carlsbad Caverns. Entsprechend ist diese auch nicht frei zugänglich, sondern nur mit einer geführten Tour. Unser Ranger machte das mit viel Humor und Hintergrundwissen. So lernten wir viel Wahres und gut Erfundenes über einen 16-jährigen Cowboy namens James Larkin White, dessen Neugierde und Einsatz die Entdeckung und die Erschliessung für die Öffentlichkeit der Caverns zu verdanken sind. Ein tolles Erlebnis!
Am Nachmittag nahmen wir’s gemütlich und ruhten uns aus; schliesslich folgen nun zwei Tage Autofahrt bis nach Mobile, Alabama.
Carlsbad, New Mexico.
Carlsbad ist nicht gerade eine malerische Stadt – um es mal dezent auszudrücken. Carlsbad ist für amerikanische Verhältnisse mit den gut 25‘000 Einwohnern eine Kleinstadt. Sie liegt auf 1‘000 müM in der Südostecke von New Mexico am Pecos River. Gegründet wurde sie 1888. Den heutigen Name erhielt sie nach der Entdeckung von Mineralquellen in Anlehnung an das tschechische Karlsbad. Besiedelt wurde das Gebiet ursprünglich vor allem von Auswanderern aus England, Frankreich, Italien und der Schweiz. Ausgedehnte Bewässerungsanlagen mit dem Wasser aus dem Pecos River ermöglichten den Aufbau von Viehzucht. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Fledermaushöhlen (ca 50 km südlich der Stadt) wieder entdeckt, welche 1930 als Carlsbad Caverns zu einem Nationalpark gemacht wurden. Einige Jahre trug der Abbau von Kalium zum wirtschaftlichen Aufschwung bei. Nach dem zwischenzeitlichen Niedergang dieses Wirtschaftszweigs bemühten sich die lokalen Behörden um ein Endlager für schwach radioaktive Abfälle. Die erste Einlagerung erfolgt 1999. Weitere wichtige wirtschaftliche Faktoren bilden heute wieder der Kalium Abbau, die Ausbeutung von Erdöl und Gas haltigen Schichten und nicht zuletzt der Tourismus um die Höhlen der Carlsberg Caverns.
Pecos River, New Mexico.
Der Pecos River oder Rio Pecos entspringt bei den Pecos Fällen nordöstlich von Santa Fé auf rund 4‘000 müM in den Sangre de Christo Bergen. Er fliesst dann parallel zum Rio Grande durch den Ostteil des Staates Richtung Santa Rosa und Carlsbad und verlässt kurz danach New Mexico. In Texas mündet er auf einer Meereshöhe von 340 m in den Rio Grande, welcher seinerseits zum Golf von Mexico fliesst. Nahe Santa Rosa, Lakewood und Carlsbad bestehen Stauseen, die der Bewässerung des Landes dienen. Auch kurz nach der Grenze in Texas wird der Rio Pecos wieder gestaut. Das zeigt die Bedeutung dieses Flusses für die Landwirtschaft. Interessenskonflikte bezüglich der Nutzung des Wassers zwischen New Mexico und Texas waren die fast logische Folge. 1949 schlichtete die US Regierung den Streit und 2003 wurde ein weiteres Nutzungsabkommen zwischen den beiden Staaten abgeschlossen.
und da war da noch …
… die Erkenntnis, dass das Leben manchmal den Pefferschoten gleicht. Manches was man heute tut, brennt einem morgen am Hinter …

Tagesbericht vom Freitag, 05. April 2013

Wetter New Mexico: Ganzer Tag bedeckt (sind wir uns gar nicht mehr gewohnt …); Temperaturen bei 30 Grad, windig.
Reiseroute:
Carlsbad – Carlsbad Caverns; 50 Meilen.
Eindrücke vom Tage.
Am Vormittag verbrachten wir 2 ½ Stunden zu Fuss rund 300 Meter unter der Oberfläche und durchwanderten ca. drei Meilen Höhlen. Wir stiegen über den natürlichen Höhleneingang ein und absolvierten die 300 Höhenmeter hinunter auf einem eng gewundenen Pfad. Die Dimensionen in den Carlsbad Caverns sind enorm. Kilometer lange zusammen hängende Höhlenformationen mit teilweise 20 – 30 m hohen Räumen. Eine Welt für sich. Schwer zu beschreiben – muss man selber erleben!
Den Nachmittag verbrachten wir dann wieder an der „Luft“. In einem kleinen Zoo und Wüstengarten begegneten wir allen Pflanzen und Tieren, wie sie in der Chihuahua Wüste vorkommen und die uns teilweise bereits in freier Natur über den Weg gelaufen sind.
Carlsbad Caverns, New Mexico.
1901 von einem Cowboy (wieder) entdeckt sind sie seit 1923 unter Schutz gestellt und seit 1930 ein National Park und damit nebst dem White Sands National Monument die touristische Hauptattraktion im Südosten von New Mexico. Interessanterweise glaubte man den Schilderungen des Entdeckers, der die gewaltigen Höhlen beschrieb, erst als er Fotobelege erbrachte. Das Areal von knapp 200 qkm wurde 1995 in die Liste des UNESCO Weltnaturerbes aufgenommen. Das gesamte System umfasst 85 Höhlen, die tiefste davon geht bis auf über 480 m unter die Erdoberfläche hinunter. Die Erforschung der Höhlen dauert an und es wurden in den letzten Jahren immer wieder neue entdeckt. Einige dieser Tropfsteinhöhlen sind mit Hilfe eines Audio-Gerätes frei begehbar, andere wiederum können unter Leitung eines geschulten Führers erkundet werden. Einige dieser Touren dauern bis zu einem Tag und erfordern bergsteigerische Fähigkeiten. Angst vor Enge und Dunkelheit sind dabei selbstredend wenig hilfreich.
Der ursprüngliche Name „Bat Caverns“ (Fledermaushöhlen) weist auf die geflügelten Bewohner eines Teils des Höhlensystems hin, in dem diese tagsüber ruhen. Als Rückzugs- und Brutstätte für geschätzt eine halbe Million dieser besonderen Tiere haben die Kalksteinhöhlen von Carlsbad weltweit Berühmtheit erlangt. Die Fledermäuse wandern jedes Jahr aus Mexiko ein und brüten hier im Juni. Im Spätherbst fliegen sie wieder zurück in den Süden.
Rio Pecos Flume Carlsbad, New Mexico.
Die Flüsse in New Mexico werden verschiedentlich aufgestaut, um Wasser für Ortschaften und für die Landwirtschaft sicher zu stellen. So auch der Rio Pecos nördlich von Carlsbad. Von diesem Stausee führen zwei Abflüsse weg. Der eine Fluss abwärts für den Wasserbedarf in Texas, der andere in einem Kanal für die Felder um Carlsbad. Letzterer hat ein geringeres Gefälle als das Flussbett. Das führt dazu, dass das „Carlsbad Wasser“ am Stadtrand auf einem Aquädukt über den Rio Pecos hinweg fliesst. Die Kanäle in Frankreich und die alten Römer lassen grüssen …
und da war da noch …
… der Spruch in einem sehr feinen mexikanischen Restaurant, wo wir heute zu Abend gegessen haben: “Meine Frau sagte mir, dass ich nie zuhöre. Zumindest glaube ich, dass sie das gesagt hat.“ Naja, nobody ischt pörfect … .

Tagesbericht vom Donnerstag, 04. April 2013

Wetter New Mexico: In Carlsbad 28 Grad, ganzer Tag sonnig.
Reiseroute: Alamogordo – Mescalero Apachen Reservat – Apache Summit (2‘313 müM) – Billy the Kid Byway – Lincoln – Roswell – Carlsbad; ca 220 Meilen.
Eindrücke vom Tage.
An unserem heutigen Zielort sind wir erstmals seit der Ankunft in New Mexico auf einer Höhe von unter 1‘000 müM – wenn auch nur ganz knapp. Die Fahrt durch die Region der Sierra Blanca führte uns aber zunächst nochmals auf über 2‘200 müM und erinnerte streckenweise an die bewaldeten Täler in Graubünden. So ist zB das ganz auf Tourismus ausgerichtete Städtchen Ruidoso ein gut ausgebauter Wintersportort. Völlig anders anders präsentiert sich die Landschaft dann gegen Roswell hin, wo man sich bereits in der Chihuahua Wüste befindet. Wenn wir geglaubt hatten, die Ebene von Tularosa mit White Sands sei eine gewaltige Wüste, so erlebten wir heute die schiere Unendlichkeit einer gewaltigen Steppen- und Wüsten Ebene, in welche man die Schweiz gerade mal locker hineinlegen könnte.
Fort Stanton, New Mexico.
Unterwegs trafen wir  auf rund 2‘000 müM auf einen nationalen Friedhof für Veteranen der Handelsmarine aus dem Zweiten Weltkrieg. Und das hier mitten im Binnenstaat New Mexico? Das Rätsel löste sich bei einem Besuch im nahe gelegenen Fort Stanton. Dieses wurde seinerzeit im Rahmen der Indianerkriege gegen die Apachen im späteren 19. Jahrhundert erbaut. Nach der Ausserdienststellung des Forts wurden die Einrichtungen als Tuberkulose Spital für die genannten Veteranen bis in die 1950er Jahre weiter benützt. Daher der Zusammenhang mit dem Ehrenfriedhof, dessen Eingang ein 5 Tonnen schwerer Anker ziert.
Lincoln, New Mexico.
Der Ort ist heute als historisches Wahrzeichen deklariert. Lincoln erregte zur Zeit der grossen Rinderbarone in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts landesweites Aufsehen. Der Ort, welcher einst eine Indianersiedlung war, später durch die spanischen Eroberer und durch Spanier und Mexikaner beansprucht und besiedelt wurde, erhielt 1969 den heutigen Namen in Anerkennung des 1865 ermordeten US Präsidenten. Der Kampf um Land, Weiderechte und Futtermittel, aber auch um die lokale wirtschaftliche Vorherrschaft eskalierte in den Jahren 1876 – 1879 zu einem eigentlichen regionalen Krieg. Beide verfeindeten Parteien engagierten eigene Anwälte, einflussreiche Geschäftsleute, Revolverhelden und kriminelle Banden. Die Seilschaft der Händler Murphy und Dolan konnte sogar auf die Mithilfe des örtlichen Sheriffs zählen. Der Rancher Tunstall, bei welchem Billy the Kid als Cowboy angestellt war, wurde zu Beginn dieses Konflikts ermordet. Damit begann ein Wechselspiel von Überfällen, Morden, Racheakten. Das ganze kumulierte 1878 in einem Gefecht um die Stadt und endete erst mit dem Eintreffen von Truppen der US Army. Billy the Kid und ein Teil seiner Bande – sie nannten sich die „Regulators“ – entkamen und betätigten sich fortan als Viehdiebe und Räuber.
Billy the Kid.
Im Herbst 1859 (genaues Geburtsdatum unklar) vermutlich in New York geboren als Henry McCarty – später auch als William H. Bonney, Henry Antrim oder auch Kid Antrim bekannt – starb 1881 knapp 22-jährig in Fort Sumner, New Mexico, als eine der legendärsten Westernfiguren. Manches aus seinem Leben ist belegt, vieles aber auch nicht, manches mag wahr sein, manches erfunden - eine Legende eben.
Mit seiner an Tuberkulose erkrankten Mutter und seinem Bruder zog Billy 1868 zunächst nach Kansas und anschliessend nach New Mexico, wo seine Mutter einen William Antrim kennen lernte und heiratete. Schliesslich liess sich die Familie in Silver City im Südwesten New Mexicos nieder und erhoffte sich dort Reichtum aus der Goldsuche. Bis dahin zeigte sich Billy als aufgeweckter und fleissiger Junge, wie ihm ein Lehrmeister bestätigte. In Silver City geriet er dann aber mehr und mehr in den Dunstkreis von Saloons und Spieltischen. Im Verlaufe einer Schlägerei soll Billy the Kid 1871 einen Gegner niedergestochen haben. Damit begannen seine wilden Jahre. Ob er wirklich für alle ihm angelasteten Morde verantwortlich war, ist heute umstritten. Fest zu stehen scheint, dass er seinen Lebensunterhalt weiterhin als Spieler und Räuber bestritt, dabei aber auch einheimischen Bauern gegen Unrecht und Indianer Überfälle beistand. Daher stammt auch der Übernahme als „Robin Hood von New Mexico“. Mit seiner Anstellung als Cowboy beim Rinderzüchter Tunstall in Lincoln County schien sein Leben wieder etwas in geordneten Bahnen zu verlaufen. Der Kleinkrieg um die Macht in Lincoln (siehe Lincoln, NM) beendete diese Hoffnung. Billy griff nach der Ermordung seines Arbeitgebers zusammen mit seiner Gang den „Regulators“ selber in die Kämpfe ein. In der Folge wurde er von Sheriff Pat Garrett gejagt und 1880 gefasst. Weitergereicht durch diverse Gefängnisse landete er 1881 wieder im Städtchen Lincoln. Der Ausbruch aus dem dortigen Gerichtsgebäude machte ihn endgültig zur Legende. Anstatt nun den Staat New Mexico zu verlassen, blieb Billy the Kid – vor allem wegen seiner Geliebten – in der Gegend von Fort Sumner, wo er schliesslich aufgestöbert und von Garrett ohne Vorwarnung erschossen wurde.
Heute befindet sich in Fort Sumner das „Billy the Kid“ Museum und sein Grab. Obwohl, nach seinem Tod meldeten sich mindestens zwei Personen, die vor gaben, Billy zu sein
und da war da noch …
… die Gastgeberin im altehrwürdigen Dolan Haus in Lincoln NM, wo wir uns für einen Lunch nieder liessen. Angesprochen auf ihre Herkunft verriet sie uns, dass ihre Familie irischer Abstammung sei und erwähnte schliesslich verschämt, dass ihr Grossvater Mitglied der Bande von Jessie James war und bei einem Banküberfall ums Leben kam. Geschichten, die das Leben schreibt …

Tagesbericht vom Mittwoch, 03. April 2013

Wetter New Mexico: Mit Tageshöchst von 25 Grad in Alamogordo geniessen wir weiterhin sonniges Wetter. Heute haben wir uns aber zwischendurch auf über 2‘700 müM bis auf 5 Grad abgekühlt. Wenn wir die USA Wetterkarte betrachten, so können wir von Glück reden, soweit im Westen zu sein. Von Texas (östlicher Nachbarstaat von New Mexico) bis an den Atlantik herrschen zurzeit nämlich Gewitter, Regenschauer und Tornados.
Reiseroute: Alamogordo– Cloudcroft – Mayhill – Sunspot (Sonnen Observatorium,) –Alamogordo, ca. 110 Meilen.
Eindrücke vom Tage.
Ein Besuch im New Mexico Museum of Space History orientierte uns über die vergangenen und heutigen Aktivitäten im Staat, welche mit Raketenentwicklung und Raumfahrttechnik zu tun haben. Aufgrund der Höhenlage, des Klimas und des meist zuverlässig vorhersehbaren Wetters ist New Mexico prädestiniert für diese Aktivitäten. Der Staat bemüht sich daher auch stark darum, Standorte und Infrastruktur für die künftige kommerzielle Raumfahrt zu erhalten.
Einmal mehr haben wir eine Hochebene (1‘300 müM) verlassen und uns Berg aufwärts bewegt bis 2‘770 müM. Über eine kurvige Bergstrasse trieben wir unseren Mietwagen hinauf zum Sunspot in der Nähe des Sacramento Peak (2‘955 müM) in den gleichnamigen Bergen östlich der Tularosa Ebene. Das Wetter bescherte uns eine wunderschöne Fahrt durch das Hochtal von Cloudcroft und dann vor allem von Sunspot einen Ausblick über die ganze Tularosa Ebene – mitten drin der helle Fleck von White Sands.
National Solar Observatory, New Mexico.
Die unabhängige Gemeinde Sunspot liegt im Südosten New Mexicos in den Sacramento Bergen auf rund 3‘000 müM. Sie beherbergt das Nationale Sonnen-Observatorium. Dessen Aufgabe ist die wissenschaftliche Beobachtung der Sonne und die Erforschung ihres Einflusses auf die Erde. Weiter werden auch Instrumente zur Sonnenbeobachtung entwickelt und verbessert und das Observatorium soll auch Wissen vermitteln und sich dem Publikum präsentieren.
Kernstück der Anlage ist das 41 Meter hohe „Dunn Sonnen Teleskop“, welches sich entsprechend dem Sonneneinfall dreht. Das Sonnenlicht wird durch ein Vakuum auf einen Spiegel 60 Meter unter der Erde geleitet und dabei abgekühlt. Zurück gespiegelt in ein Quarzfenster im Erdgeschoss können dann die Wissenschaftler ihre Untersuchungen ohne die zerstörerische Wirkung der Hitzestrahlung aufnehmen.
In Sunspot kann man sich im Besucherzentrum des Observatorium gescheit machen, oder einfach die herrliche Aussicht geniessen.
und da war da noch …
… eine seltsame Gebührenregelung im Staat Connecticut. Babywindeln unterliegen einer Warensteuer - Seniorenwindel dagegen nicht. Wäre interessant zu wissen, welches Alter die Politiker hatten, die für diese Regelung verantwortlich zeichneten …

Tagesbericht vom Dienstag, 02. April 2013

Wetter New Mexico: Etwas über 28 Grad und sonnig; gegen Abend aufkommender Wind.
Reiseroute: Alamogordo – White Sands National Monument.
Eindrücke vom Tage.
Kurz nach Sonnenaufgang schossen wir die ersten Fotos in den „White Sands“. Das Morgenlicht gab die nötigen Schatten, um dem Weiss Konturen zu geben. Es war noch etwas kühl, dafür absolut ruhig. Nahe der Strasse und auf einer fernen Düne waren drei weitere Fotografen zu erkennen. Ansonsten hatten wir die ganze Wüste für uns. Eine Wanderung führte uns dann in die hinteren und etwas abgelegenen Regionen dieses Naturspektakels. Tagsüber vertrieben wir uns die Zeit mit „Shopping“ und Faulenzen. Am Abend zur Zeit des Sonnenuntergangs folgte dann „Teil 2“ der Fotosafari in den weissen Dünen. Die starken Abendwinde bescherten uns dabei einen leichten Sandsturm.
White Sands National Monument, New Mexico.
Das "Weisser Sand" Naturschutzgebiet im Süden von New Mexico dehnt sich auf einer Fläche von 581 qkm der insgesamt über 700 qkm grossen Sandlandschaft aus (etwas mehr als die Fläche des Kantons Glarus). Die Bezeichnung Sand verbindet man meist mit Strand oder Flussufern und erklärt sich die feine Beschaffenheit mit durch Wasser und Wind fein geriebenen Steinen. Bei "White Sands" ist die Entstehung etwas komplexer. Zunächst besteht der weisse Sand aus Gips. Dieser lag vor 250 Mio. Jahren auf dem Grund eines flachen Meeres, vermischte sich mit anderen Ablagerung und wurde irgendwann zu Stein. Durch den Druck der vor 70 Mio. Jahren entstandenen Rocky Mountains wurde diese "Gipsplatte" zu einem gewaltigen Kegel aufgedrückt, brach später ein und bildete so die heute noch bestehende Landschaft der Tularosa Senke (Tularosa Basin). Die östlich und westlich davon liegenden Berge mit Spitzen von 2'500 müM sind die verbliebenen Ränder dieser einstigen Gipskuppe. Aus diesen Bergketten wurde mit dem Laufe der Zeit der Gips ausgewaschen und ins Tularosa Becken geschwemmt, welches keinen Ausfluss hat. Damit blieb das Ganze liegen, das Wasser verdunstete, der Gips kristallisierte aus, zerbrach, wurde Sand und konnte so durch Wind zu riesigen Dünen aufgeworfen werden. Die Form der Dünen ist unterschiedlich, je nach ihrer Lage im Becken und auch abhängig davon, ob sich eine minimale Vegetation halten und damit die Sandhügel festigen kann.
Erstaunlich, dass sich in diesem als lebensfeindlich empfundenen Gebiet doch einige Pflanzen (zB Yuka Arten) und - meist Nacht aktive - Tiere wie Eidechsen, Käfer, Vögel, Kaninchen, Füchse oder Kojoten finden.
White Sands Missile Range, New Mexico.
Auf der White Sands Missile Range (WSMR) wurde am 16. July 1945 der erste Test mit einer Atombombe durchgeführt. Zwei ähnliche Bomben sollte kurze Zeit später zur Kapitulation Japans führen. WSMR wurde damit zum Testgelände des Laboratoriums von Los Alamos im Norden New Mexicos. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde deutsches Raketenmaterial samt Wissenschaftlern (wie Wernherr von Braun) hierher gebracht. Diverse Raketen wurden hier in dieser Wüstenregion entwickelt und getestet, auf einem Gelände von rund 8‘300 qkm (ca ein Fünftel der Fläche der Schweiz).
Heute werden auf diesem Waffenplatz weiterhin Raketentypen erforscht, nukleare Waffen weiter entwickelt und Laserwaffen und militärische Drohnen erprobt. Bis zum Ausbau des Kennedy Space Centers in Florida war WSMR auch als Notlandemöglichkeit für Space Shuttles vorgesehen und wurde ein einziges Mal 1982 auch benötigt.
Das Gelände der WSMR dient heute auch als Manövergelände für die Raketenflugabwehr mit den Systemen „Patriot“ und „Stinger“ und deren Schulen in Fort Bliss (El Paso).
Die quer durch WSMR führende US Bundestrasse 70 wird wenn nötig während Tests vorübergehend gesperrt. Da dies auch die Zufahrt zum White Sands National Monument von Westen her beeinträchtigt, orientiert man sich als Tourist besser rechtzeitig darüber.
und da war da noch …
… der „nette“ Kerl, welcher sein „Wasser“ einfach ins Wasser des Schwimmbads "entsorgte". Als ihn der Bademeister dabei  erwischte, fiel er fast vom Beckenrand …

Tagesbericht vom Montag, 01. April 2013

Wetter New Mexico: Warm und sonnig; Tageshöchst 30 Grad (kein Aprilscherz!)
Reiseroute: Silver City – Deming – Las Cruces – Alamogordo; 180 Meilen.
Eindrücke vom Tage.
Der heutige Tag war eine „Überführungsetappe“ von Südfuss der Gila Wilderness durch das Tal des Rio Grande über den San Augustine Pass in die Tularosa Ebene nach Alamogordo. Die Gegend ist bekannt durch das White Sands National Monument und das gleichnamige Übungsgelände der US Army. Kurz nach Silver City ändert sich die Gegend schlagartig in eine karge und meist flache Steppenlandschaft und das bleibt so bis nach Alamogordo.
Temperaturmässig ging’s heute hinauf bis über 30 Grad Celsius. Höhenmässig ging’s hinunter von 1‘900 müM in Silver City auf 1‘300 müM in Alamogordo.
Strassenmässig ging’s zunächst 50 Meilen schnurgeradeaus südwärts auf die Interstate 10, dann weitere 50 Meilen fast geradeaus bis an den Rio Grande und schliesslich vor Almogordo nochmals 30 Meilen geradeaus – immerhin mit einer leichten Biegung nach 20 Meilen. Steuerkünste waren also in höchstem Masse gefragt …
Alamogordo, New Mexico.
Alamogordo liegt im Tularosa Tal, welches seit über tausend Jahren bereits bewohnt ist. Bei Ankunft der Spanier 1534 lebten hier die Mescalero, ein Stamm der Apachen.
Alamogordo ist eine der ersten Städte der USA, welche von Grund auf geplant wurde, im Gegensatz zu vielen „historisch gewachsenen“ Siedlungen. Die 1898 mit dem Ausbau der Eisenbahn von El Paso gegründete Stadt zählt heute etwa 40'000 Einwohner und ist vor allem bekannt als Ausgangspunkt zu den Touristen Attraktionen White Sands National Monument und dem Three Rivers Naturpark, sowie der International Space Hall of Fame auf dem Luftwaffenstützpunkt Holloman Air Force Base.. Science Fiktion Freaks wissen vielleicht, dass in der Gegend Teile der „Transformer“ Filme gedreht wurden.
Die Air Base – vor allem bekannt für ihr Fliegermedizinisches und Flugsicherheits-Institut – ist der grösste Arbeitgeber der Region. „Ham“ (Abk. für „Holloman aero medical“) hiess der Schimpanse, welcher hier trainiert wurde und im Januar 1961 als erster in den Weltraum geschossen wurde.
und da war da noch …
… folgende „Weisheit“: Gib einem Menschen einen Fisch und er hat zu essen für einen Tag. Lerne einen Menschen das Internet zu nutzen und er wird dich für Tage, Wochen, ja vielleicht Jahre in Ruhe lassen.

Tagesbericht vom Sonntag, 31. März 2013

Wetter New Mexico: Stahlblauer Himmel mit weissen Wölklein; am Mittag auf 2‘000 müM gut 20 Grad C! Richtig tolles Osterwetter.
Reiseroute: Truth or Consequences – Emory Pass – San Lorenzo – Gila Cliff Dwellings – Silver City die Route führt am Emory Pass und bei Pino Alto zweimal über die kontinentale Wasserscheide; ca 220 Meilen.
Die Sommerzeitdifferenz Schweiz – Nordamerika besteht seit heute nicht mehr. Der Zeitunterschied zu New Mexico beträgt nun minus acht Stunden.
Eindrücke vom Tage.
Unser Osterausflug führte uns auf den Südteil des Geronimo Trails und damit auf die Passhöhe des Emory Passes mit 2‘456 müM und inmitten eines dichten Fichtenwaldes. Die Wanderung zu den Gila Cliff Dwellings auf rund 1‘800 müM hätten wir dank der warmen Temperaturen gut in kurzen Hosen absolvieren können. Mit der Ankunft in Silver City befinden wir uns wieder „im Tal“, d.h. auf 1‘900 müM.
Nahe Silver City taten wir noch einen Blick in die riesige Kupfermine von Santa Clara. Im Tagbau entstand hier ein unglaubliches „Loch“ und die ganze Gegend drum herum besteht im Wesentlichen aus mächtigen Hügeln von Aushubmaterial. Die Bergbau Gesellschaft ist hier der grosse Arbeitgeber und Landbesitzer. In der ganzen Umgebung wird in diversen kleineren Minen noch Zink abgebaut. Kaum ein Hügel in der Umgebung von Silver City, der in seinem Innern nicht aktive oder still gelegte Grubengänge aufweist.
Gila Cliff Dwellings National Monument, New Mexico.
Aufgrund von Forschungsergebnissen kann man davon ausgehen, dass Mogollon Indianer- ein Volk frühzeitlicher Ureinwohner – bereits im 1. Jahrhundert im Gebiet der sogenannten Gila Wilderness siedelten. Sie bestritten ihren Lebensunterhalt als Jäger, Sammler und einfache Bauern und waren sesshaft. Ausgrabungen von Erdhäusern – teilweise eingegrabene und überdachte Wohnstätten – belegen dies. Untersuchungen des Holzes, welches für den Bau der Höhlenwohnungen benutzt wurde, zeigen auf, dass dieses im 13. Jahrhundert geschlagen wurde. In den fünf Höhlen sind 46 Wohnungen zu erkennen. Man schätzt, dass etwa 10 – 15 Familien diese bewohnten. Weshalb und wohin die Mogollon nach kurzer Zeit wegzogen, ist nicht bekannt. Da später keine Spuren ihrer Kultur mehr auftauchen, wird vermutet, dass sie sich mit anderen Stämmen vermischten.
In der Folge wurden die Höhlenbehausungen offenbar zeitweise durch Apachen genutzt. Erst 1878 bekam der erste europäische Einwanderer die Cliff Dwellings zu Gesicht. Ein gewisser Henry B. Ailman floh mit einigen Kumpanen in die Wildnis am Gila River, um sich vor einer Gefängnisstrafe zu drücken. Bald begannen Besichtigungen und Erforschungen der alten Indianer Wohnstätten. Die Zufahrten wurden verbessert und in den 1890-er Jahren erstellten die Hill Brüder ein kleines Resort bei Gila Hot Springs. 1907 schliesslich wurden die Gila Cliff Dwellings zum National Monument und damit zur anerkannten Schutzzone erklärt. Die Verwaltung der US Nationalparks betreiben seither zusammen mit der US Forstverwaltung ein Besucherzentrum.
Silver City, New Mexico.
Heute eine Stadt von rund 10'000 Einwohnern (ca 25'000 in der Agglomeration) war Silver City wie die meisten Orte in New Mexico einst eine Siedlung der Anasazi und später ein Apachen Dorf. Wie der Name sagt, wurde die Gegend für Silberschürfen interessant, und zwar um 1860. Bereits 1870 wurde dann die heutige Stadt gegründet. Waren zunächst Auseinandersetzungen mit Apachen für mangelnde Sicherheit verantwortlich, folgten im Zuge des sich ausdehnenden Silberbergbaus auch zwielichtige Gestalten und Kriminelle dem Ruf nach schnellem Reichtum. 1875 nahm der amtierende Sheriff die erste bekannte Verhaftung von Billy the Kid wegen Diebstahls vor. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde es dann ruhiger, Recht und Ordnung konnte durchgesetzt werden, Schulen entstanden und Gewerbe und Handel siedelten sich an.
Bereits früh musste die Einwohner mit heftigen Sommergewittern und Hochwasser leben lernen. Nach einer Überschwemmung im Jahre 1895 wurde die Hauptstrasse der Stadt tiefer gelegt, um als Hochwasser Abfluss dienen zu können. Daraufhin verlegten die Geschäfte ihre Haupteingänge auf die Rückseite der Gebäude und damit von der Main Street an die Bullard Street. Als Folge davon ergaben und ergeben sich bis heute missverständliche Adressangaben, vor allem für Ortsunkundige.
und da war da noch …
… eine Ortsbezeichnung namens „Cherry Creek“ – also „Chriesibach“ – mitten in den Bergwäldern der Gila Wilderness auf 2‘000 müM. Man fragt sich sofort, wer denn einem solchen Ort einen solch unpassenden Namen gegeben haben mag. Doch ein paar hundert Meter weiter sieht man von der Strasse einige blühende Kirschbäume. Man sieht’s, staunt und kann es kaum glauben. Aber das war wirklich kein verfrühter Aprilscherz!

Tagesbericht vom Samstag, 30. März 2013

Wetter New Mexico: Mild bis 18 Grad C; ganzer Tag bedeckt (leider kein Fotowetter für Landschaftsaufnahmen)
Reiseroute: Geronimo Trail Nord von Truth or Consequneces bis Beaverhead und retour;
ca 220 Meilen.
Eindrücke vom Tage.
Der Abstecher auf den Geronimo Trail (siehe unten) führte uns auf einer Landstrasse in den Nordteil des Gila Wildnis. Die Landstrasse kann man wortwörtlich verstehen. Links und rechts der Strasse nicht als Land (oder Wald), nebst Kühen auch Rotwild, Feldhasen und Wildschweine auf und neben der Strasse und der Strassenverlauf derart eng dem Land angepasst, sodass endloses Kurvenfahren über und durch jede Bodenwelle und Geländerippe angesagt war. Hat Spass gemacht.
Höhepunkte waren der Besuch und die Plaudereien mit Einheimischen im ehemaligen Bergwerkstädtchen Chloride – wo Silber abgebaut wurde, sowie der Besuch der „Monticello Box“, einer idyllischen Felskluft mit warmer Quelle. Dies ist der Ort, wo Geronimo gefangen genommen wurde.
Geronimo.
Eines der Indianervölker, welches – aufgeteilt in mehrere Stämme – um etwas das Jahr 1000 ins Gebiet der heutigen Staaten Texas, Oklahoma und New Mexico einwanderte, ist jenes der Apachen. Als nomadisierendes Volk lebten sie ursprünglich im Norden der USA und in Kanada. Sie sind im Übrigen sprachlich – und wahrscheinlich auch von der Herkunft - verwandt mit den Navajo, welche heute das grösste noch existierende Indianervolk sind und ihr autonomes Gebiet in den Staaten Utah, Arizona und New Mexico (Norden) haben.
Bereits die ersten Spanier hatten ihre liebe Mühe mit den Apachen. Es war nie so klar, mit welchen spanischen Siedlungen sie Handel treiben und welche sie überfallen würden. Auch wechselten diese Beziehungen oft in unberechenbarer Weise. Ab und zu führten spanische Truppen Kriege gegen die Apachen und nicht selten zogen sich die Parteien nach einem Waffenstillstand wieder zurück – bis auf ein nächstes Treffen. Nachdem die USA New Mexico als Staat aufgenommen hatte, beruhigte sich die Lage bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Kämpfe im Rahmen der sogenannten Apachen Kriege wieder aufflammten. Besetzung von Indianerland, eindringende Goldsucher, Überfälle auf amerikanische Siedlungen führten zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Apachen und der US Army in den Jahren 1849 – 1886. In dieser Zeit war Geronimo der bekannteste und herausragende Indianerführer in ganz Nordamerika. Mit zu Beginn etwa 500 Kriegern hielt er ein US Armeekommando unter General Miles über Jahre auf Trab. 1886 aber, mit nur noch 36 Kämpfern und unter der Drohung eines Kopfgeldes, gab Geronimo seinen Widerstand auf und kapitulierte. Entgegen gemachten Versprechungen wurde er gefangen gesetzt. Nach wechselnden Gefängnisaufenthalten wurde er 1894 nach Fort Sill gebracht. 1903 konvertierte er zum Christentum und erhielt schliesslich ein Stück Farmland als Wohnsitz. Die versprochene Rückkehr in sein indianisches Heimatland wurde ihm aber nie gewährt. 1909 starb Geronimo an einer Lungenentzündung im Alter von knapp 80 Jahren.
1918 soll das Grab von Geronimo geplündert worden und sein Schädel geraubt worden sein.
Der Disput gelangte bis vor Bundesgericht. Mangels Beweisen muss man in Betracht ziehen, dass das Ganze auf einer Falschmeldung beruhte. Eine mögliche Grabschändung könnte nur durch das Öffnen des Grabes erhärtet werden. Dies aber kommt nach Indianertradition nicht in Frage, da die Totenruhe als absolut heilig gilt.
Anlässlich seiner Festnahme sagte Geronimo zu General George Crook (Auszug aus Zitat):
„… Ich habe oft um Frieden gebeten, aber Ärger kam immer von den Agenten und Dolmetschern. Ich habe nie Unrecht ohne Grund getan, und wenn ihr von Unrecht redet, oder auch nur an Unrecht denkt, so tätet ihr besser daran, an das Unrecht zu denken, das ihr dem Roten Manne zugefügt habt, und das tief und weit wie ein Ozean ist, durch den niemand mehr waten kann, ohne darin zu ertrinken… „.
Übrigens, kleinere Scharmützel mit Apachen dauerten an bis ins Jahr 1924.
und da war da noch …
… der „General Store“ im kleinen Örtchen Winston, weitab der „Zivilisation“. Die englische Bezeichnung kann man mit Gemischtwarenladen übersetzen, was diesem Laden aber nur knapp gerecht wird. Das Sortiment reicht von warmen Mahlzeiten und Kaffee über Lebensmittel, Näh- und Haushaltartikel, Geschirr, Kinderkleider, Kunsthandwerk, Werkzeug bis hin zur Jägerausrüstung. Hinter der Ladentheke finden sich Gewehre, Pistolen der Marken Smith & Wesson oder Walther samt der nötigen Munition. Trotzdem scheint die Gegend sehr friedlich zu sein, wenn man die nicht vorhandenen Sicherheitseinrichtungen wie Waffenschränke oder Munitionstresor bedenkt. Allerdings überlegt man sich Angesichts dieser Tatsache gut, ob man Hinweise wie "Kein Durchgang" auf die leichte Schulter nehmen will. Ziemlich bodenständiges Amerika hier draussen …

Tagesbericht vom Freitag, 29. März 2013

Wetter New Mexico: Frühmorgens (auf 2‘200müM) ca. 5 Grad; im Verlaufe des Tages im Tal bis 25 Grad.
Reiseroute: Socorro – Very Large Array – Kelly Mining Ghost Town – Fort Craig – El Camino Real Heritage Center – Truth or Consequences; ca. 220 Meilen
Eindrücke vom Tage.
Der heutige Tage brachte ein – geografisches – Auf- und Ab. Vom Tal des Rio Grande auf rund 1‘660 müM ging’s am Morgen auf das Hochplateau von Magdalena (2‘200 müM) in den sonnigen aber kühlen Morgen. Später wieder zurück hinunter ins Tal bis auf etwa 1‘500 müM. Thematisch machten wir Sprünge von der Radioteleskop Anlage „Very Large Array“ zu den Zeiten des Bergbaus im frühen 19. Jahrhundert und dann zu drei Jahrhunderten Kultur- und Warenverkehr auf dem von Mexico City nach Santa Fé führenden „Camino Real“.
Wir bekamen auch einen Eindruck vom Valley Rio Grande. Das „Grande“ bezieht sich derzeit mehr auf die Länge, als auf die Mächtigkeit des Flusses, der wie das Land an der Trockenheit leidet. Der Begriff „Tal“ ist leicht irreführend. Dieses Tal, in dem sich der Rio Grande fast verliert, ist eine zig-Kilometer breite, stark durchfurchte Steppenlandschaft. Den  Fluss selber sieht man meist nur von Weitem, resp. man erahnt seinen Verlauf anhand einer grünen Baumreihe und eines schmalen Vegetationsstreifens.
Very Large Array, New Mexico.
Der englische Ausdruck "array" bedeutet "stattliche Reihe". Somit handelt es sich hier also um eine ausserordentlich stattliche Reihe. Das zeigt sich auch, wenn man die Ausmasse der ganzen Anlage betrachtet. 27 Radioteleskope von je 25m Durchmesser und einem Gewicht von 230 Tonnen sind hier aufgestellt. Auf einem Y-förmigen Schienensystem können die Teleskope in die gewünschte Stellung gebracht oder in die Unterhaltshalle gefahren werden. Zusammen mit weiteren Installationen in den Bergen von West Virginia, auf Hawai und auf den Jungferninseln dienen diese Riesengeräte der Erforschung des Weltraums mit Hilfe von Radiowellen, welche die dort vorhandenen Materialien aussenden. Im Gegensatz zu optischen Teleskopen sind Radioteleskope nicht Wetter abhängig und erlauben eine sehr viel weitere "Sicht" ins All.
El Camino Real, New Mexico.
El Camino Real de Tierra Adentro (die königliche Strasse ins Landesinnere), auch Camino de laPlata (Silbertrasse genannt) diente seit 1598 bis ins 19. Jahrhundert als Handelsverbindung von Mexico City nach Santa Fé, genauer ins heute noch existierende San Juan Pueblo. Wie der Zweitname sagt, wurde hier vor allem auch Silber von den Minen Mexikos in den Norden transportiert. Dies geschah vor allem in der Zeit der spanischen und später der mexikanischen Herrschaft. Endgültig an Bedeutung verlor der „Camino“ als Handelssstrasse durch den Bau und damit das Verlagern der Güter auf die Eisenbahn ab 1881. Der heute in den USA liegende Teil von El Paso nach Santa Fé ins Verzeichnis der Historischen Routen eingefügt. 2010 wurde ein Teilstück auch ins UNESCO Welterbe aufgenommen. Heute erinnern ein Museum, einige alte Relaisstationen und als Wander-, Bikerwege und Nebenstrassen erhaltene Teilstücke an die einst so wichtige Achse.
Die Stadt Truth or Consequences, New Mexico.
Sinngemäss übersetzt bedeutet der Name dieses Kleinstadt im Süden von New Mexico "Sage die Wahrheit oder trage die Konsequenzen". In dieser zu Beginn Radio- und später TV Show mussten Quizfragen beantwortet werden und für jede falsche Antwort musste zur Strafe eine ulkige Geschicklichkeitsaufgabe gelöst  werden. Viele Teilnehmer machten sich einen Spass daraus, eine falsche Antwort zu geben, um sich so präsentieren zu können. Die Show führte aber auch Leute zusammen, die über lange Zeit getrennt gewesen waren.
Der erste Moderator, Ralph Edwards, versprach, die Show in jedem Ort abzuhalten, der sich nach der Sendung benennen würde. Die Bürger von Hot Springs beschlossen am 31. März 1950 mit 1295 zu 1294 Stimmen, ihre Stadt umzubenennen. Und dabei blieb es bis heute.
Mittlerweile entwickelte sich der Ort mit seinen rund 8'000 Einwohnern zu einem Touristenziel etwa für Wandern und Fischen (in unmittelbarer Nähe liegen die beiden Stauseen Elephant Lake und Caballo Lake) und zu einer beliebten Altersresidenz. Letzteres ist wohl durch tiefe Bau- und Immobilienkosten erklärbar.
und da war da noch …
… … ein Spruch für Reisende von Jonathan Katz (sinngemäss übersetzt): „In einem Hotelzimmer bin ich immer etwas beunruhigt. Möglicherweise bin ich ja nicht der Einzige, der sich nackt auf die Möbel setzt!“.

Tagesbericht vom Donnerstag, 28. März 2013

Wetter New Mexico: Meist sonnig, auf 2‘000m ca 16 Grad C – in tieferen Lagen ca 20 Grad C, leicht windig.
Reiseroute: Albuquerque –Tijeras – Salt Mission Trail – Abo – Bernardo – Socorro; ca 130 Meilen.
Eindrücke vom Tage.
Die heutige Reise führte uns entlang des historischen Salt Mission Trail (siehe Vorbericht Nr 6). Bereits ab Albuquerque (1‘600 müM) Richtung Tijeras beginnt die Strasse zu steigen. Südlich von Tijeras steigt sie durch den nördlichen Teil des Cibola Forest weiter stetig an bis auf 2‘200 müM. Nach der bewaldeten Passhöhe hat man einen fantastischen Blick auf die weitläufigen Hochebenen östlich der Manzano Berge. In Richtung Süden fallen diese stufenweise auf 1‘800 und dann auf 1‘500 müM ab. In diesen Gebieten wird auf riesigen aber kargen Weiden Vieh- und Pferdezucht betrieben. Der bauliche Zustand der kleinen Dörfer und der zerstreuten Höfe zeugen von entbehrungsreichem und hartem Leben. Hier leben keine reichen Rinderbarone.
Zurzeit sind die ohnehin mageren steppenähnlichen Weiden komplett trocken. Die Jahreszeit erlaubt noch kein wesentliches Erwachen der Vegetation. Zudem herrscht nach drei nieder-schlagarmen Wintern eine hohe Trockenheit. Die tiefe Luftfeuchtigkeit von 10 – 15% (in Luzern herrschen momentan 85%!) verhindert zudem eine Taubildung über Nacht. Die Leute hier warten ungeduldig auf Regen und fürchten den Ausbruch von Waldbränden.
Bekannt ist der historische Salt Mission Trail heute wegen der unter Schutz stehenden Ruinen früherer Siedlungen aus dem 17. Jahrhundert, als die Spanier ihre Aussenposten in der Nähe der Indianer Pueblos (Dörfer) erbauten. Überzeugt von ihrer Mission zur Christianisierung entstanden dabei vor allem auch Kirchenbauten. Nach einem Siedlungsunterbruch – bedingt durch Trocken- und Hungerperioden erfolgt im frühen 19. Jahrhundert eine Wiederbesiedlung. So zeigen die erhaltenen Ruinen und Ausgrabungen bauliche Zeugen aus zwei unterschiedlichen Perioden.
und da war da noch …
… ein ebenso originell wie wirkungsvoll formulierter Hinweis in einem der historischen Parks. Anstatt einfach stur und drohend das Verlassen der angelegten Wege zu verbieten liest man da Folgendes. „Gewähren Sie bitte unseren Klapperschlangen ihre Privatsphäre und bleiben sie auf den Wegen!“. Wer wollte denn diesen lieben Tierchen nicht ihre Ruhe gönnen … ?

Tagesbericht vom Mittwoch, 27. März 2013

Wetter New Mexico: Sonnig bis bewölkt, Tageshöchst 25 Grad C
Reiseroute: Albuquerque NM
Eindrücke vom Tage.
Wir hatten Einiges einzukaufen, um uns und unser Auto für die kommenden Wochen auszurüsten. Dabei wurde uns bewusst, wie weitläufig die Stadt Albuquerque ist. Die Stadt samt Agglomeration zählt zwar „nur“ knapp 900‘000 Einwohner. Da mit Ausnahme einiger weniger Banken und Hotels nahe der Innenstadt aber keine Hochhäuser existieren und die Stadtteile auch kaum verdichtet gebaut sind, dehnt sich Albuquerque unglaublich in die Breite aus. Wenn man dann wie wir heute noch ganz besondere Läden und Lokalitäten sucht, dann summieren sich die Meilen fürchterlich.
Wir haben uns auch wieder an den Verkehr gewöhnt. Rechtsabbiegen bei Rot ist gestattet, ebenso so genannte U-Turns (sehr hilfreich, wenn man als Ortsunkundige das anvisierte Ziel zu spät bemerkt). Die Leute hier fahren generell vorsichtig und „anständig“ und wissen auch die Blinker zu bedienen – was nicht überall in den USA der Fall ist. Das ist allerdings auch nötig, da Spurwechsel oft sehr spontan angesetzt werden.
Der Frühling zeigt sich hier doch schon etwas. Einige Bäume und Büsche blühen bereits. Auch die Motorradfahrer spüren den Frühling und geniessen ihn ohne Helm. Helmpflicht gibt’s in New Mexico nicht, also freut man sich als Biker über diese persönliche Freiheit und hofft, dass der eigene Schädel im Falle eines Falles dann schon genug hart sein wird …
und da war da noch …
ein Spruch für Kinder und Junggebliebene: „ Das Leben ist kurz, also beginne die Mahlzeit mit dem Dessert!“. (Gefunden an der Wand in einem Restaurant, welches einmal die Woche den Gästen zum Essen ein Stück Torte gratis offeriert).

Tagesbericht vom Dienstag, 26. März 2013

Wetter Schweiz: leichter Schneefall,  0 Grad (um 0500 Uhr Ortszeit)
Wetter New Mexico: leicht bewölkt, 16 Grad (um 2200 Uhr Ortszeit)
Reiseroute: Baldegg –Lenzburg (mit „Nachbartaxi“) – Zürich Hauptbahnhof – Flughafen Zürich SBB – Flug Delta 67 – Atlanta GA Hartsfield Airport – Flug Delta 2216 – Albuquerque NM International Sunport - Hotel.
Reisezeit von „Türe zu Türe“ über 25 Stunden; gesamte Flugzeit ca 13 Stunden.
Sehr angenehmer Business Flug in einer Boeing 767-300ER (diese Angabe für die „Fans“), welche über den neuesten Komfort mit Liegesitzen und neuem Unterhaltungssystem verfügt.
Eindrücke vom Tage.
Vom leichten Schneefall im Seetal ins sonnige New Mexico, wo wir uns am Abend bei milden 16 Grad Celsius noch ein Gutenacht Bier genehmigten. Zu unserer Begrüssung veranstaltete man hier gleich noch einen knallroten Sonnenuntergang, welchem der Vollmond von der Gegenseite her zuschaute. So kamen wir denn umgehend und problemlos in Ferienstimmung!
Übrigens, in den USA ist bereits seit dem 10. März Sommerzeit oder Daylight Saving Time (DST), wie man es hier nennt. Die aktuelle Zeitdifferenz von New Mexico, das in der Mountain Time Zone (normal minus 8 Stunden) liegt, zur Schweiz beträgt bis Ostern somit minus sieben Stunden.
und da war da noch …
ein zum Tage passender Spruch von Jonathan Winters (sinngemäss übersetzt) „Wenn Gott gewollt hätte, dass wir fliegen können, hätte er uns die Anreise zum Flughafen leichter gemacht“.