Frankreich

Im Elsass vom 29. Juni - 02. Juli 2015

Bummel durch Mulhouse am 29. Juni 2015.
Was im historischen Stadtkern zuerst auffällt, sind die diversen Hinweise auf die frühere Verbindung der im Mittelalter lange Zeit reichsfreien Stadt zur damaligen Eidgenossenschaft. Noch heute zieren Tell und Winkelried in Überlebensgrösse eine Fassade beim Place de la Réunion. Auch ein Restaurant Willhelm Tell fehlt nicht.
Auch abseits der Hauptplätze der Innenstadt finden sich zahlreiche historische Gebäude aus früheren Jahrhunderten. Leider sind viele davon eher schlecht unterhalten und befinden sich heute in wenig vorteilhafter Nachbarschaft mit phantasielosen Neubauten oder werden dominiert durch Ladenlokale mit grausam schreienden Reklameflächen. Schade!
Der Kern der Altstadt ist eine Fussgängerzone, was zu gemütlichem Herumschlendern und Einkehren einlädt.
Um den tropischen Temperaturen zu entkommen, besuchten wir am Nachmittag das Automobilmuseum – ehemals Collection Schlumpf. Man braucht nicht unbedingt Autofan zu sein, um die teils spassig anmutenden Vehikel aus der Urzeit des Automobils, die eleganten Riesenkarossen aus den 1920/30-ern oder die diversen Rennwagen zu bewundern.
Da am Montag manche Restaurants geschlossen sind, landeten wir zum Abendessen schliesslich etwas ausserhalb der Innenstadt in der "Auberge du Boucher" – ein Volltreffer! Nebst einem hervorragenden Nachtessen – mit grossen Elsässer Portionen und moderaten Elsässer Preisen gab's noch einen gemütlichen Schwatz mit dem Wirtepaar namens Habegger. Die Frau ist Elsässerin, ihr Mann hat seine Stammfamilie im bernischen Trub, wurde in Basel geboren und wuchs in Mulhouse auf. Und da waren wir wieder bei den ein einstigen Verbindungen Mulhouse-Schweiz.
Zum Abschluss erklärten wir dem Paar noch, das bei uns ein Seilspanngerät eben auch Habegger heisst. Ein bisschen Kulturaustausch kann ja nicht schaden ...

Entlang der Elsässer Weinstrasse am 30. Juni 2015.
Ein Teil der Rheinischen Ebene, vor allem aber die zum Teil stotzigen Hänge zu den Vogesen hin, sind ein einziges Meer von Reben. Die vielen malerischen Weinbaudörfer wirken fast wie verlorene Inseln in einem tiefgrünen Ozean. Störche scheinen sich in diesem Gebiet ausserordentlich wohl zu fühlen. Keine Ortschaft, die nicht wenigstens auf den Kirchtürmen diese langbeinigen Vögel beherbergt. Besonders im Städtchen Rouffach gibt es kaum einen Turm oder einen Hausgiebel, der nicht ein oder mehrere Storchennester trägt. Der Flugverkehr ist denn auch entsprechend dicht …
Einen Abstecher zum Kloster Murbach – oder was davon noch übrig ist – war für uns "Neuluzerner" ein Muss. Benediktiner gründeten unter den Karolingern um 710 in Luzern das Kloster St. Leodegar im Hof, welches dann im 9. Jahrhundert unter die Herrschaft des Klosters Murbach kam.
Unser Hauptziel des Tages war jedoch das Städtchen Eguisheim bei Colmar. Der Ort hat seinen mittelalterlichen Aufbau in Form eines abgerundeten Vierecks beibehalten. Die Gassen verlaufen alle kreisförmig parallel zu ursprünglichen Aussenmauer, weshalb man von einer Zwiebelstadt spricht. Eguisheim zählt zur auserwählten Gruppe der "Plus beau villages de France". Für Liebhaber historischer Flecken ein Genuss.
Zurück in Mulhouse ging's am Abend wieder ans Kulinarische. Zum Nachtessen hatten wir uns das "Henriette" in der gleichnamigen Gasse ausgesucht. Ein Restaurant, das traditionelles Elsässer Essen offeriert. Interessant aber auch die Herkunft des Namens. 1798 entschieden sich die Einwohner zum Anschluss an Frankreich. Das erste unter französischer Herrschaft geborene Kind war ein Mädchen und erhielt den Namen Henriette. Daher die Bezeichnung von Strasse und Gasthaus.
Auf dem Nachhauseweg ins Hotel machten wir dann noch einen "Dessert-Stopp" und lernten so den Glacé Kougelhopf mit Marc aus Gewürztraminer kennen. Ein würdiger Abschluss eines tollen Tages!

In Strasbourg am 30. Juni 2015.
Es blieb weiterhin heiss und so verringerte sich die Wandergeschwindigkeit unserer Senioren Fotogruppe markant. Das Erlebnis Strasbourg minderte das aber in keiner Art und Weise. Die Altstadt und vor allem "La Petite France" am Kanal haben sich kaum verändert und bieten nach wie vor ein Übermass an Fotomotiven. Diese eignen sich auch hervorragend für Abend- und Nachtaufnahmen. Aber – erschlagen von der Hitze entschieden wir uns für ein spätes Nachtessen in einem der "Beizli" am Wasser und gönnten unseren Kameras einen wohlverdienten freien Abend …

In Colmar am 02. Juli 2015.
Aufgrund der Hitze und der doch schon grossen Zahl von Touristen hielten wir uns mit Fotografieren stark zurück und beschlossen, das später in einer kühleren und ruhigeren Zeit nachzuholen. So genossen wir den schweisstreibenden Bummel durch die Altstadt ohne Fotolinse einfach mit unseren Augen, was durchaus auch ein schönes Erlebnis war.

----------------------------------------

Im "Land der Katharer" vom 01. - 06. April 2012



Treppen-Schleuse am Canal du Midi
bei Castelnaudary

"Le pay cathare" ist die Werbemarke für das Département Aude in Südfrankreich, das im Osten ans Mittelmeer grenzt und sich im Süden an die Ausläufer der Pyrenäen anlehnt. Dabei ist die Bezeichnung "Land der Katharer" allerdings ungenau, da das Gebiet dieser vom 12. bis 14. Jahrhundert hier lebenden Religionsgemeinschaft weiter gefasst war. Zeugen aus der Zeit der Verfolgung durch die katholische Kirche und ihr verpflichtete weltliche Herrscher finden sich in diversen Geschichten, Legenden und Ruinen.
Der vom Mittelmeer aus dem Etang de Thau (bei der Stadt Sète) bis nach Toulouse verlaufende Canal du Midi ist ein weiteres Merkmal und ein touristischer Anziehungspunkt dieser Gegend. Zusammen mit dem Canal de Garonne von Toulouse nach Bordeaux bildet er eine durchgehende Wasserstrasse vom Mittelmeer in den Atlantik. Das in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erstellte Werk wurde 1996 ins Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen und ist heute ein beliebter "Wasserwanderweg" für Bootsfans. Und für die Liebhaber edler Tropfen sind Fahrten durch die Gegend mit ihren kaum enden wollenden Rebenfeldern ein weiterer Genuss.
Auf unseren Ausflügen verschafften wir uns zudem einen Eindruck der Stadt Toulouse (Département Haute-Garonne), besuchten die Passhöhe des Kanal du Midi bei "Le Seuil de Narouze" (190 müM) mit dem Denkmal für den Erbauer des Canal du Midi, Pierre-Paul Riquet und bestaunten das sehr gut erhaltene mittelalterliche Städtchen Mirepoix (Départment Ariège).







Oppidum von Ensérune mit Blick
auf den trocken gelegten Etang de Montady

Auf dem Rückweg Richtung Mittelmeer legten wir beim Oppidum von Ensérune (nördlich Narbonne im Départment Hérault) einen Halt ein. Hier finden sich die Überreste und die Fundgegenstände einer Siedlung, die im Verlaufe der Jahrhunderte Gallier, Kelten und Römer beherbergte. Verblüffend aber auch die Geschichte des einstigen Etang de Montady - einem See von ca 430 ha in einer natürlichen Senke. Durch Entwässerungskanäle zum tiefsten Punkt und einem im 13. Jahrhundert (!) erstellten unterirdischen Abfluss System wurde das Gebiet trocken gelegt und wird seither landwirtschaftlich genutzt.
So brachten wir von unserem Besuch von Freunden im Städtchen Castelnaudary - trotz zeitweise unbeständigem Wetter - reiche und eindrückliche Erinnerungen mit nach Hause.

--------------------------------------------------------------------------------------------
Ausflug in die "Lorraine" vom 19. - 23. Juni 2011

Unsere Route führte uns über Basel - Colmar- Saverne – Nancy – Toul nach Bar-le-Duc und von dort über Epinal und den Ballon d’Alsace wieder in die Schweiz. Anlass war ein Treffen mit unseren Freunden Mirjam und Werner im lothringischen Bar-le-Duc, wo sie zu der Zeit mit ihrem Boot „Roti Zora“ im Hafen lagen. Letzteres ist seit 2008 zugleich ihr Heim und ihr Reisevehikel auf den Kanälen Europas.
Passend dazu legten wir unsere Reiseroute möglichst entlang des Rhein-Marne Kanals. Im Elsässer Städtchen Saverne trafen wir erstmals auf diese Wasserstrasse. Der 1853 eröffnete Kanal ist Teil des rund 8‘000 km aufweisenden französischen Binnenwasserstrassennetzes, auf dem trotz schwindender Bedeutung noch etwa 80 Millionen Tonnen Güter jährlich transportiert werden. Die zum Teil romantisch anmutenden Kanal- und Schleusenbauten stammen aus einer Zeit, da die Kanäle bedeutende Wege für den Gütertransport darstellten. Heute dienen sie weitgehend Hobby- und Ferienkapitänen, die sich der Gemächlichkeit des Reisens auf dem Wasser verschrieben haben. Leider führte der Verlust ihrer wirtschaftlichen Bedeutung auch dazu, dass der Unterhalt dieser Anlagen nicht mehr über alle Zweifel erhaben ist.

Zur Hauptsache widmeten wir den ersten Reisetag dem Besuch diverser Schleusen. Faszinierend fanden wir vor allem den schiffbaren Tunnel von Arzviller (ca 2 km Länge) und das „Schiffshebewerk mit Nassbeförderung“ (f: plan incliné) von St. Louis/Arzviller. Diese Konstruktion ersetzte in den 1960er Jahren eine Strecke von 4 km mit 17 aufeinander folgenden Schleusen und entsprechendem Zeitverlust. Das Schräg-Hebewerk überwindet eine Höhendifferenz von 45 Metern und bringt die Schiffe in einer Art riesigen Badewanne schwimmend vom Tal auf die Höhe des Richtung Nancy weiterführenden Kanals. Der imposante „Trog“, der auf zwei Schienen dem Hang entlang in die Höhe fährt misst 41,5 mal 5,5 Meter.
Im späteren Verlauf unserer Reise folgten wir westlich des Städtchens Toul weiter dem Rhein-Marne Kanal und besuchten das Tunnel von Wauvages. Zur Durchquerung dieses rund 5 km langen Tunnels unter der Wasserscheide von Mosel/Saar und Marne/Seine brauchen die Schiffe hinter einem Führungsboot rund eine Stunde. Nichts für Leute mit Raumangst und Abneigung gegen dunkle Röhren.

Saverne

Das Städtchen hat entlang der Hauptgasse seinen elsässischen Charakter mit gepflegten Steinhäusern und Fachwerkbauten bestens erhalten. Das imposanteste Gebäude des Ortes ist aber der Rohan Palast am kleinen Hafen. Das Haus Rohan stammt von bretonischen Königen ab. In der Schweiz spielte Henri II. de Rohan zur Zeit des 30-jährigen Krieges und der Bündner Wirren eine Rolle. Eine Festungsruine im bündnerischen Susch und die Überreste der Schanze zwischen Maienfeld und Landquart erinnern uns daran.

Nancy

Es würde zu weit führen, all die Sehenswürdigkeiten dieser Stadt aufzählen zu wollen. Die frühere Hauptstadt der Lothringer Herzöge zehrt noch heute vom Glanz und Reichtum früherer Epochen. Ein Besuch lohnt sich in jedem Falle! Prunkstück der Altstadt ist die Place Stanislas, benannt nach dem polnischen König, der 1737 in einem Erbfolgestreit sein Reich verlor. Sein Schwiegersohn, König Ludwig XV von Frankreich schenkte ihm danach das Herzogtum Lothringen und Bar samt der Stadt Nancy.

Bar-le-Duc

Das Städtchen Bar-le-Duc mit rund 16‘000 Einwohnern erhielt 1243 das Stadtrecht und war Sitz der Grafen von Bar. Die alte obere auf einem Hügel gelegene Altstadt (Haute Ville) lädt ein zu einem gemütlichen Spaziergang durch sehr gut erhaltene Gässchen und einheitlich strukturierte Häuserfronten. Am schönsten Aussichtspunkt liegt – wen wundert’s – das Schloss der ehemaligen Herren zu Bar. Bar-le-Duc hat allerdings auch eine traurige Geschichte. Im ersten Weltkrieg entstand in Bar-le-Duc ein riesig dimensionierter Bahnhof. Hier endete die Bahn Nachschublinie Richtung Schlachtfeld von Verdun. Hier wechselten Truppen und Güter auf die gut 50 km lange Strasse nach Verdun, die sogenannte „Voie sacrée“ (Heiliger Weg). Hundert Tausende Soldaten erreichten auf diesem Weg die Schlachtfelder, viele kehrten als Verwundete zurück und weit über 150‘000 sahen diese Strasse nie mehr.

Ballon d'Alsace

Nach einem Rundgang und einer Mittagspause in Epinal entschlossen wir uns auf der Heimreise kurzfristig, die Route über den Pass „Ballon d’Alsace“ auf rund 1‘200 m zu nehmen. Dieser Übergang gehört zur Wasserscheide zwischen Nordsee und Mittelmeer. Die Fahrt führte uns auf gewundenen Strassen durch ein von Wald und Flüssen dominiertes Gebiet mit schmucken Dörfern abseits von Hektik und Verkehr. Diese als ländlich malerisch zu bezeichnende Gegend im Elsässer „Hinterland“ bescherte uns eine geruhsame und genussvolle Rückfahrt Richtung Schweiz.

---------------------------------------------------------
Besuch auf der "Roti Zora vom 10. - 14.04.2009

Wir besuchen unsere Freunde Mirjam und Werner (vulgo PAX) in ihrem Winterquartier in Gallician in der Petite Camarque in Südfrankreich. Die beiden befahren mit ihrem prächtigen und wohnlichen Schiff Europas Kanäle und sind letztes Jahr von Holland kommend hier in der "Petite Camarque" angekommen. Leider zeigte sich das Wetter meist von der feuchten Seite. Doch das tat unseren langen und angeregten Gesprächen keinerlei Abbruch und zudem ist damit klar, dass wir diese wunderschöne Gegend ein weiteres Mal - dann aber bei Sonnenschein - ansteuern werden.
Danke unseren Gastgebern für die frohen Tage und die Fremdenführerdienste!

-----------------------------------------------------------
Im Beaujolais 2004

Iris nahm als Vorstandmitglied des SASL (Swiss American Society Lucerne) an einem Seminar zwecks Ideen Austausch mit dem französischen Partnerklub von Lyon teil. Das Treffen fand in einem alten Landsitz in der Nähe von Villefranche-sur-Saône statt. Die Ehemänner durften als Begleitung mit auf die Reise und „mussten“ sich dafür die Zeit mit Ausflügen an die lauschigen Restaurants entlang der Saône und ins Rebbaugebiet des Beaujolais vertreiben. Neben den Sitzungen blieb aber genügend Zeit für gemeinsames Essen bei einem Spitzenkoch und eine kurze Reise durchs Beaujolais und einen Bummel durch Villefranche-sur-Saône.