Fotoreise USA 2010

Fotoreise durch den Südwesten der USA vom 17. Oktober - 07. November 2010
Reisewetter

Las Vegas empfing uns mit einem Gewitterregen. Das sollte der Auftakt werden zu einer ersten Woche mit einem Regentag im Zion National Park und einigen nächtlichen Gewittern. Diese Art Wetter ist im Südwesten zu dieser Jahreszeit äusserst selten. So kann man uns durchaus als Pechvögel bezeichnen, dass wir genau in dieser Woche unsere Fotoreise starteten. Positiv war immerhin, dass es tagsüber meist trocken war und die Wolken dem Himmel Struktur gaben. Teilweise negativ wirkte sich der Regen auf unsere geplante Route aus. Aufnahmen in Little Finland in Nevada und Cathedral Valley (Teil des Capitol Reef) in Utah mussten wegen unpassierbaren Naturstrassen leider ausfallen.
In der zweiten und dritten Woche wurden wir aber mit Sonne und durchwegs angenehm warmen Temperaturen verwöhnt. Einzig beim Capitol Reef mahnte uns der Wettergott am frühen Morgen mit einem Sturm aus Schnee und Eisregen kurz an die späte Jahreszeit. Und im Monument Valley zwang uns ein starker Wind am späten Nachmittag zum vorzeitigen „Feierabend“, da durch die Böen ein eigentlicher Sandsturm entstand.

Reisestrecke

Insgesamt rollten wir rund 2‘500 Meilen sowohl über asphaltierte Überlandstrassen, als auch über steinige und sandige Naturstrassen. Ab und zu hatten wir ausgetrocknete Bachbette sehr vorsichtig zu durchfahren um nicht stecken zu bleiben.
Daneben wanderten wir manche Stunden, um zu unseren Fotozielen zu gelangen.
Ruhezeiten gönnten wir uns kaum, wie aus den Stationen unserer 3-wöchigen Reise - in chronologischer Reihenfolge – ersichtlich wird:
- Valley of Fire State Park(Nevada)
- Zion National Park (Utah)
- Bryce Canyon National Park (Utah)
- Lower Calf Creek Falls (Utah)
- Moquis Marbles and Pipes (Utah)
- Capitol Reef National Park (Utah)
- Natural Bridges National Monument (Utah)
- Devil’s Garden im Arches National Park (Utah)
- Delicate Arch im Arches National Park (Utah)
- Mesa Arch und Islands in the Sky im Canyonlands National Park (Utah)
- Dead Horse Point State Park (Utah)
- Valley of the Gods (Utah)
- Moki Dugway and Muley Point (Utah)
- Gooseneck State Park (Utah)
- Monument Valley Tribal Park (Arizona)
- Four Corners National Monument (Arizona, Utah, Colorado, New Mexico)
- Mesa Verde National Park (Colorado)
- Blue Canyon (Arizona)
- Antelope Canyons, Owl Canyon und Ratlesnake Canyon bei Page (Arizona)
- Horseshoe Bend Colorado River bei Page (Arizona)
- Toadstool Hoodos bei Page(Utah)
- Pipe Springs National Monument (Arizona)
- Las Vegas (Nevada).
Ein Besuch der berühmten „Wave“ im Gebiet der Paria Wilderness (Utah) blieb uns verwehrt. Aus Schutzgründen werden dort nur rund 20 Personen pro Tag zugelassen und bei der entsprechenden Verlosung gingen wir leider leer aus.

Fotografieren

Fotografisch war unsere Reise auf die unterschiedlichen Landschaften im Westen der USA – genauer Süd Nevada, Südost Utah und Nord Arizona - ausgerichtet. Vor allem Farben und Strukturen der Landschaften in allen Varianten liessen unsere Objektive manchmal fast heiss laufen.
Unterwegs fanden sich aber auch jede Menge Details, die unsere Augen auf sich zogen. Nicht planbare und daher umso erfreulichere Höhepunkte waren auch diverse Begegnungen mit Tieren. So narrte uns beispielsweise ein Coyote, der vor uns über die Strasse lief und dann im Unterholz verschwand. Zu spät bemerkten wir, dass er frecher weise wenige Meter hinter unserem Auto die Strasse wiederum überquerte. Geduldiger verhielten sich zwei Eulen, die sich trotz leicht gestörtem Tagesschlaf geduldig ablichten liessen. Echsen und Libellen waren unterschiedlich kooperativ, aber man soll es den Fotografen ja auch nicht allzu leicht machen. Immerhin lassen sich die in Fels und Sandstein geschnitzten Landschaften ohne Hektik fotografieren, was wir denn auch ausgiebig nutzten.

Begegnungen

Die Touren durch die Antelope Canyons buchten wir bei Carol Bigthumb. Dies vor allem, weil ihre Touren auf die Bedürfnisse von Fotografen ausgerichtet sind. Zudem ergibt sich so eine besondere Beziehung zu den Slot Canyons. Carol’s Grossmutter war es, welche als 12-Jährige den Upper Antelope Canyon entdeckte.
Unser Führer durch die Canyons bei Page war ein Navajo Indianer namens Gabriel. Er führte uns am 2. November durch diese Wunder der Natur. Tragisch dabei ist, dass er eigentlich am 4. November Hochzeit feiern wollte, seine Verlobte aber vergangenen Februar verstarb. Auf die Frage, wie er denn darüber hinweg gekommen sei, zeigte sich die nach wie vor tiefe Verbundenheit vieler Indianer mit ihrer alten Kultur. Gabriel erzählte mir glaubwürdig, wie er sich mit Hilfe eines Medizinmannes und dank traditioneller indianischer Schutz- und Reinigungsriten moralisch wieder habe aufrichten können. Uns mag das vielleicht ungewöhnlich erscheinen, aber wie hiess es doch schon im Altertum: „Es führen viele Wege nach Rom“.
Bei den Four Corners erstand ich an einem der dortigen Verkaufsstände eine indianische Vase von Cynthia Yazee. Die Indianerin aus dem Volk der Navajo war selber vor Ort und arbeitete an einem weiteren ihrer Kunstwerke. Sie graviert ihre Vasen und Töpfe aus Ton mit Ornamenten, die sie von ihrer Mutter – einer Teppichweberin – übernommen hat. Da sie selber sich mit dem Webstuhl nie anfreunden konnte, verlegte sie ihr handwerkliches Geschick vor nunmehr über 20 Jahren auf die Töpferei. Im weiteren Gespräch erfuhr ich, dass Cynthia an der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City die Leitung der Tanznummer mit rund 1‘000 Indianerkinder hatte. Unglaublich, was für Leute man so mitten in der Wüste treffen kann!
Eines Tages kamen wir beim Frühstück mit einem amerikanischen Ehepaar ins Gespräch, welches als freiwilliges Mitglied eines Fischerklubs in abgelegenen Nebenflüssen Süd-Nevadas taucht und so die Artenvielfalt untersucht. Auf unsere Information hin, dass wir aus der Schweiz seien, meinten die Beiden, für uns wären wohl Name und Lage ihres Wohnorts in den USA „spanische Dörfer“. Als sie den Namen Pike Road City nannten, fragte ich sie, ob sie näher bei der Post oder näher beim Restaurant „Crockmeyers“ wohnen. Pike Road liegt nämlich wenige Minuten ausserhalb von Montgomery East, wo Iris und ich die letzten drei Jahre unsere amerikanische Mietwohnung hatten. Aber eben, die Welt ist halt doch nicht so gross, wie man manchmal meint …

Fazit

Ein gelungener Foto Trip. Entdeckungen und Begegnungen in einem Teil der USA mit vorwiegend ländlichem, durch grossartige Landschaften und mit einem teilweise noch markant durch die Lebensweisen von Mormonen und Indianern geprägten Umfeld.
Eine Unmenge (Nach-)Arbeit zum Aussortieren und Verarbeiten der Hunderten von Aufnahmen.
Und schliesslich Erinnerungen, die kaum je verblassen werden.