Belgien

Antwerpen vom 08. - 12. April 2015

Auslöser für unsere Reise war der Entscheid, den Tanz Luzerner Theater auf seiner Gastvorstellung von "Celebration" zu begleiten. Um die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeit auch geniessen zu können, dehnen wir unseren Aufenthalt auf einige Tage aus.
Die Wetterprognosen sind gut und so erhoffen wir uns auch einige gute Bilder vom Bummel durch die Stadt.

Zur Geschichte Belgiens.
Seit der Römerzeit erfuhr Belgien viele Herren und Herrscher bis 1815 der Wiener Kongress entschied, Belgien den Niederlanden zuzuschlagen. Mit der Revolution von 1830 erkämpften sich die Belgier dann aber die Unabhängigkeit, welche 1839 auch international anerkannt wurde.
Als Kolonialmacht wurde Belgien vor allem im Zusammenhang mit dem Kongo bekannt; unter König Leopold II. leider in sehr unrühmlicher Art und Weise.
Noch heute ist Belgien eine konstitutionelle Erbmonarchie mit parlamentarischer Demokratie und einem stark föderalistischen Politik- und Verwaltungssystem. Amtssprachen sind das Niederländische, das Französische und Deutsch, letzteres in Ostbelgien.
Nach wie vor ungelöst ist der Konflikt zwischen dem flämischen – niederländisch sprachigen – Norden und dem wallonischen – französisch sprachigen – Süden. Wobei der wirtschaftlich stärkere Norden den wallonischen Teil finanziell stützt.

Zur Stadt Antwerpen.
Antwerpen liegt am Fluss Schelde, rund 80 km von der Meeresmündung entfernt. Eine früheste Siedlung auf Antwerper Boden kann aufgrund von Ausgrabungen fürs 2./3. Jahrhundert n.Chr. nachgewiesen werden. Urkundlich erwähnt als Stadt wird Antwerpen erstmals 726, die Stadtrechte datieren von 1291.
Dank Hafen und Tuchhandel wurde Antwerpen im Mittelalter bald ein bedeutender Handels- und Finanzplatz. Eine Phase des Niedergangs folgte dann in der Zeit der Reformation und Gegenreformation. Dazu trug auch eine Bestimmung aus dem Westfälischen Frieden wesentlich bei, welche die Schifffahrt auf dem Fluss Schelde untersagte.
Nach 1863 erfolgte der Wiederaufstieg dank dem nun belgischen Hafen. Interessant dabei, dass seit 1893 eine Güterbahn vom Ruhrgebiet – Duisburger Hafen – nach Antwerpen besteht. Man nennt die Strecke den "Eisernen Rhein" und sie ist ein wesentlicher Faktor im Konkurrenzkampf mit den niederländischen Häfen von Rotterdam und Amsterdam. Die zentrale Bedeutung des Hafens und der Zufahrt über die Schelde zeigt sich auch daran, dass die erste Brücke über den Fluss erst rund 20 km südlich des Stadtzentrums zu finden ist und dass bis dort alle Verbindungen von Ost- zu Westufer durch Tunnels führen.
Da Amsterdam in den Weltkriegen von grossen Zerstörungen verschont blieb, sind heute eine beträchtliche Zahl von Bauten aus dem Spätmittelalter, der Renaissance, dem Barock und dem Jugendstil noch intakt.
Wirtschaftlich profitiert Antwerpen vor allem vom Hafen, vom Diamantenhandel und vom Tourismus.

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Reisetagebuchg Antwerpen

Tagesbericht vom 12.04.2015.
Im Rückblick behalten wir Antwerpen als eine Stadt im Gedächtnis, in der die Freundlichkeit dominiert. Die historische Altstadt ist sehenswert und fussgängerfreundlich. Die Belgische Schokolade ist sehr verführerisch, Pommes-frites sind - natürlich - die Weltbesten, aber das gastronomische Angebot ist auch ohne die gelben Dinger hervorragend. Biertrinken scheint hier in Belgien eher ein Brauch und ein Ritual als nur reines Durstlöschen zu sein. In Bierbeizen ist die Bierkarte dicker als die Weinkarte in manchem Nobellokal.
Während wir vom imposanten Hafen einen guten Einblick erhalten haben, erhaschten wir vom Diamanten Quartier nur einen flüchtigen Eindruck von aussen – unsere Kreditkarte hätte da wohl auch kaum gross Eindruck gemacht …
In der kurzen Zeit war es uns nicht möglich, in Kontakten mit Einheimischen mehr zu erfahren über die Spannungen zwischen Flamen und Wallonen oder über das offenbar eher frostig-duldsame Verhältnis der Belgier zu den Holländern - ihren nördlichen Nachbarn und einstigen Herrschern.
Es waren eindrückliche Tage – einen Besuch in Antwerpen kann man empfehlen.

Tagesbericht vom 11.04.2015
Nach zwei warmen und sonnigen Tagen fiel Regen und auch das Thermometer. Daher entschieden wir uns für einen Besuch im „Red Star Line Museum“. Dieses Haus zeigt im restaurierten Originalbau die frühere Bedeutung (19. Jahrhundert bis vor dem Zweiten Weltkrieg) von Antwerpen als Auswandererhafen. In eindrücklicher und moderner Art führt das Museum durch den damaligen Ablauf einer Auswandererreise.
Die Reederei „Red Line Star“ bot gleichzeitig und auf denselben Schiffen Luxusreisen für Begüterte und qualvolle Überfahrten in der vollgestopften 3. Klasse an. Diese Darstellung bringt die Situation der aus Not Ausgewanderten noch drastischer ins Bild.
Den letzten Besuch in der Altstadt widmeten wir einem weiteren Besuch im historischen und gemütlichen Beizchen „Pater Vetje“ und deckten uns mit typischen Belgischen Süssigkeiten ein.
Den Abschluss des Aufenthalts bildete dann die Abendvorstellung „Celebration“ des Tanz Luzerner Theaters auf den Bühne im Eilandje-Quartier.

Tagesbericht vom 10.04.2015.
Unser heutiger Tag spielte sich mehrheitlich im und um den Hafen ab. Auf einer Bootstour erhielten wir einen kleinen Eindruck für die Ausmasse dieses Hafens und dessen Bedeutung für die Stadt und die Region. Seit dem Zweiten Weltkrieg wurden Hafen und Infrastruktur kontinuierlich ausgebaut, wobei zwei Dörfer weichen mussten. Heute erstrecken sich Hafenbecken und Anlagen von der Stadt Antwerpen rund 33 km nordwärts bis zur Grenzen mit Holland und decken eine Fläche ab, die der Stadt Paris entspricht. Der nach Rotterdam heute grösste Hafen Europas schlägt nebst anderem den Löwenanteil von Kakao und Bananen für den ganzen Kontinent um. Direkt und indirekt beschäftigt sind mehr als 140'000 Personen. Einen riesigen Anteil am Hafen nehmen die Raffinerien ein, welche mit Rohöl über eine Pipeline aus Rotterdam gespeist werden.
Noch ein par Worte zur Stadt Antwerpen. In der Altstadt trifft man angenehm wenige Hunde an und wenn dann meist kleinere „Modelle“. Das Zusammenleben zwischen Fussgängern und Velofahrern ist entspannt. Das liegt nicht zuletzt an den Radlern, welche sich an die Regeln halten und sich eines gemütlichen Tempos befleissigen – und sich nicht wie in Luzern als Möchtegern Rennfahrer aufführen. Interessant auch, dass man wenn überhaupt sehr selten Elektrovelos sieht.
Lustig punkto Radfahren ist vor allem das Bild, welches Juden im ihrem traditionellen Gewand und ihrem radähnlichen Pelzhut abgeben, wenn sie mit ihrem Rad unterwegs sind (sorry, ist politisch wohl nicht ganz korrekt …).

Tagesbericht vom 09.04.2015
Nach einem Morgenbummel via altem Hafen zur Innenstadt absolvierten wir als brave Touristen eine Tour mit dem Stadtführerbus. Das gab uns immerhin einen guten Überblick über die Stadtteile und die Sehenswürdigkeiten. Auch lernten wir, dass Antwerpen mit rund 450‘000 Einwohnern die grösste Stadt Belgiens ist und nicht etwa die Hauptstadt Brüssel (wenn man deren ganze Agglomeration nicht mitzählt). Zudem ist Antwerpen – neben London – das grösste Diamantenhandelszentrum und die Stadt verfügt über die höchste jüdische Bevölkerungsgruppe in Europa mit über 20 grossen und kleinen Synagogen. Dass Diamanten- und Judenviertel unmittelbar nebeneinander liegen, ist wohl nicht zufällig. In Antwerpen werden die Diamanten nach einer eigenen Art bearbeitet; man spricht vom „Antwerpen Cut“.
Abseits der Touristenpfade haben wir unzählige kleine Gässchen und Innenhöfe gefunden, welche der Stadt im Hintergrund einen ganz besonderen Charme verleihen.
Pflichtbewusst haben wir heute auch die Belgische Waffel, das Belgische Bier und die Belgische Schokolade getestet und alles für ausserordentlich schmackhaft befunden.Das Nachtessen im versteckt gelegenen „Het Hofke“ gab dann noch Kraft für einige Nachtaufnahmen beim „Groote Markt“, womit der (lange) Tag dann ausklang.

Tagesbericht vom 08.04.2015Die Fahrt nach Antwerpen verlief dank ruhigem Verkehr zügig. Die Route über Strasbourg – Saarbrücken - vorbei an Metz  – Umfahrung Brüssel – Antwerpen führt grossenteils durch offene und wenig bewohnte Landschaften, was die Fahrt zusätzlich angenehm macht.Am späten Nachmittag und Abend war noch genügend Zeit für einen ersten Bummel durch die Altstadt von Antwerpen und ein währschaftes Nachtessen im der „Rubens Taverne“.